mare No. 152

Liebe Leserin, lieber Leser,
in dieser Ausgabe finden Sie zeitlose Weltliteratur, eine hintergründige Analyse des politischen Zeitgeschehens, ein eindringliches, auch bedrückendes Porträt eines Mannes, eine Reportage über Hoffnung und Fortschritt an Afrikas Ostküste und eine vielschichtige Annäherung an die Insel Korsika. Zwei Stücke seien hier hervorgehoben.

Uns interessierte die Verbindung Polens zum Meer, dessen Bedeutung in der Vergangenheit sowie gegenwärtig für die nationale Identität. Findet dieses Land zwischen historisch hegemonialen Ländern sein Selbstverständnis aufgrund seines Zugangs zum Meer? Ist diese Theorie belastbar? Wie sind die Bezüge zur jetzigen nationalen Entwicklung Polens und vor allem, was bedeutet dies im Angesicht des Kriegs in der Ukraine? Und wer könnte sich dieses Themas annehmen? Wie ließe es sich bebildern? Wir hatten den Artikel schon vor Monaten bei dem polnischen Journalisten Michał Kokot in Auftrag gegeben, die Bilder stammten von Mikołaj Nowacki, und plötzlich gab der Krieg unserem Artikel einen ganz aktuellen Bezug. Und wir können einen Beitrag zum aktuellen Zeitgeschehen leisten, jenseits der täglichen Informationsflut, mit einer relevanten geopolitischen Analyse.

Wir planten, die 2020 im „New Yorker“ erstmals erschienene Kurzgeschichte „Streben als Glück“ Ernest Hemingways exklusiv auf Deutsch zu veröffentlichen. Der Hamburger Rowohlt Verlag, Inhaber der deutschsprachigen Rechte an Hemingways Werken, kündigte für den kommenden Herbst die Neuauflage einer Sammlung von Erzählungen mit diesem Text an und gab uns das Recht für den Erstabdruck. Jedoch war in einer deutschen Wochenzeitschrift bereits 2020 eine Übersetzung erschienen, offensichtlich direkt von den Rechteinhabern in den USA genehmigt. Unser Exklusivanspruch schien verwirkt. Bis wir feststellten, dass die Übersetzung äußerst mangelhaft war und wir mit der Übertragung Werner Schmitz’, des vielfach ausgezeichneten Hemingway-Übersetzers, ein eigentlich neues Werk anbieten könnten. Zudem führten wir ein Interview mit dem Manuskriptentdecker und Enkel Sean Hemingway. Der mareverlag ist einer der wenigen Verlage, die aus tiefer Überzeugung immer die Übersetzerinnen und Übersetzer auf den Buchumschlägen nennen. Nur eine gute Übersetzung eröffnet uns die literarische Welt fremder Sprachen, meines Erachtens ist sie, wenn gelungen, ein eigenständiges Werk.

Ich hoffe, Sie finden Freude an der Vielfalt dieser Ausgabe
Nikolaus Gelpke

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Das Blaue Telefon

Leser fragen mare

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Ihre mare-Hotline in die unerforschten Weiten und Tiefen der Meere

Leben

Ein Moment, zwei Leben

Ein Moment, zwei Leben

Als 16-Jähriger sprang Mario, der von einem Leben als Kapitän träumte, kopfüber in den Golf von Neapel und blieb querschnitts­gelähmt. Seit 20 Jahren umsorgt ihn seine Mutter Raffaela

Politik

Ein radikaler Plan

Ein radikaler Plan

Polen ringt um das endgültige Ende der Abhängigkeit von russi­schen Energielieferungen. Helfen soll dabei das Meer. Das Land ­besinnt sich neu auf sein maritimes Erbe

Essay

An den Stränden des Untergangs

An den Stränden des Untergangs

Schiffswracks ziehen uns magisch an. Sie gemahnen uns an das unbegreif­liche Schicksal der eigenen Vergänglichkeit

Leben

Der korsische Traum

Der korsische Traum

Auf Cap Corse im Norden der Insel verwundert die rätselhafte Häufung eleganter Villen aus dem 19. Jahrhundert. Sie sind das Erbe früherer Amerikaheimkehrer. Beredt erzählen die Maisons d’Américains von Korsikas Schicksalsjahren – bis heute

Der König von Korsika

Der König von Korsika

Ausgerechnet ein westfälischer Baron wird 1736 zum König von Korsika gekrönt. Aber noch im selben Jahr verjagen ihn die Korsen wieder. Die Geschichte eines haltlosen Abenteuers

Die weiße Hölle von Canari

Die weiße Hölle von Canari

Zur Ewigkeit verdammt: An einem der schönsten Flecken Korsikas erinnert uns die Ruine der Asbestmine von Canari an den Mach­barkeitswahn des Menschen

Kombüse

Soshis Zauberkugeln

Soshis Zauberkugeln

Ein Japaner in Berlin zeigt uns, was Japaner wirklich gern essen. Nein, nicht Sushi – es sind Takoyaki, Teigbällchen mit Tintenfisch

Wissenschaft

Schneegestöber im Ozean

Schneegestöber im Ozean

Abgestorbene Algen und Zooplanktonkot rieseln unablässig von oberen Schichten der Ozeane hinab zum Meeresgrund. Erst jetzt erkennt die Biologie die Bedeutung dieses Meeresschnees

Der Regenmacher

Der Regenmacher

Im Jahr 1916 verspricht ein geheimnisvoller Privatgelehrter der von ­jahrelanger Dürre geplagten Stadt San Diego in Südkalifornien, Regen zu machen. Der Regen kommt – im Übermaß. Zufall oder nicht?

Kolumne

Mein Hooge, 22.

Mein Hooge, 22.

Unser Kolumnist reiste als Jugendlicher achtmal nach Hooge. Jetzt, nach 30 Jahren, erkundet er die Hallig erneut, als Erwachsener, als Stadtmensch, mit tausend Fragen im Gepäck. Heute trifft er einen Neuankömmling

Kultur

Streben als Glück

Streben als Glück

So lautet der Titel einer bislang unveröffentlichten Erzählung des großen amerikanischen Erzählers und Nobelpreisträgers, ins Deutsche übertragen von dem preisgekrönten Hemingway-Übersetzer Werner Schmitz

„Er liebte das Meer über alles“

„Er liebte das Meer über alles“

Sean Hemingway, Kustos in New York, Enkel des Schriftstellers und Finder des Manuskripts der Erzählung „Streben als Glück“, spricht über die Umstände der Entdeckung, über den politischen Hintergrund der Erzählung und Hemingways Verhältnis zum Meer

Klangwellen

Klangwellen

Der Pop-Musiker Erland Cooper lebt ein urbanes Leben mitten in London. Aber er trägt die Sehnsucht nach dem Atlantik tief im Herzen. Er ist auf den Orkneys geboren und aufgewachsen. Das prägt

Salon

mare-Salon

mare-Salon

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Wirtschaft

Stolz und Vorteil

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Vor knapp 20 Jahren entschieden sich die Bewohner eines Fischerdorfs in Madagaskar für eine nachhaltige Bewirtschaftung ihrer Ressourcen. Heute geht es ihnen besser als je zuvor – eine Erfolgsgeschichte auf einer Insel im Indischen Ozean