mare No. 109

Liebe Leserin, lieber Leser,

damals nannte ich sie Fräulein Sidler. Anfang der siebziger Jahre suchte ich nach jedem ausgelesenen Buch ihren Rat. „Wenn dir der Roman gefallen hat, dann lies als nächstes diesen.“ So kam es, dass ich mit 14 Jahren ein Buch nach dem anderen von Erich Maria Remarque verschlang. Nie wieder las ich später in seinem Werk, aber als Jugendlicher prägten mich seine eindringlichen Geschichten, sie sind als Bilder und Gedanken bis heute fest in mir verankert. So auch die Bars oder der Hafen der portugiesischen Hauptstadt in „Die Nacht von Lissabon“, dem für mich stärksten seiner vier Exilromane: Das Meer stellte und stellt die letzte Hoffnung dar für Emigranten, Flüchtlingen vor Unrechtsregimen.
Ohne Meer gab es auch vor den Schergen des Dritten Reiches kaum einen sicheren Ort. Ohne Schiffspassagen hätten wahrscheinlich weder Willy Brandt, Hilde Domin, Sebastian Haffner, Max Brod oder Gottfried und Brigitte Bermann Fischer überlebt. Der Fotograf Stefan Moses porträtierte sie und viele weitere deutsche Emigranten, die über die See entkamen.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen Nikolaus Gelpke

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