Wie stellst Du Dir Deine Zukunft vor?

Eine Frage und viele Antworten. So unterschiedlich, wie Kinder eben sind. Was sie alle eint: Sie sind zwischen sechs und 16 Jahre alt und gehen auf eine belgische Seekadettenschule. Die meisten stammen aus schwierigen Verhältnissen.

No. 126Feb. / März 2018

Leben

Fotos und Text: Stephan Vanfleteren

Der Belgier Stephan Vanfleteren, Jahrgang 1969, lebt als freier Fotograf für Panos Pictures im westflandrischen Veurne. Seinen Text übersetzte Andreas Gressmann aus dem Flämischen.

Die Königliche Stiftung IBIS wurde 1906 von Belgiens König Albert I. gegründet, ursprünglich, um Waisenkinder aufzunehmen und zu unterrichten. Heutzutage sind etwa 100 Jungen im Alter von sechs bis 16 Jahren in der Stiftung in Bredene untergebracht, von denen die meis­ten aus schwierigen Familienverhältnissen stammen und daher viel Unterstützung und Begleitung benötigen.

Der sekundäre Unterricht bietet ihnen eine seemännische Ausbildung, mit einer wöchentlichen Tagesfahrt auf See mit dem Ausbildungsschiff „De Broodwinner“. Wer die Schule abschließt, findet meist Arbeit im Bagger- oder im Lotsenwesen, manchmal auch in der Fischerei oder im gewöhnlichen Berufsleben.

Mittlerweile sind mehr als 2900 Kinder mit ihren Namen, Passfotos und persönlichen Angaben in einem der vielen Stammbücher verzeichnet. Die Tradition der Stammnummer wurde bis auf den heutigen Tag beibehalten. Bei der Einschreibung bekommen die Jungen eine Nummer zugewiesen, die sie für den Rest des Lebens nie mehr aus dem Gedächtnis verlieren.

Die Ibis-Schüler verfügen über verschiedene Uniformen, darunter eine „First Class“-Uniform für Sonntage und eine prächtige Galauniform für festliche Anlässe. Auf den ersten Blick wirken Uniformpflicht, Stammnummer und Disziplin nicht zeit­gemäß, doch sie tragen dazu bei, diesen Jugendlichen einen Halt im Chaos der häufig prekären familiären Verhältnisse zu geben.

Kurz geschoren, wie einst, werden die Haare der Kinder in der Ibis schon lange nicht mehr, und die Hängematten wurden schon vor langer Zeit durch Stockbetten ersetzt.

„Die Ibis war ein Gefängnis“, hörte ich einmal einen alten Fischer sagen, der dort seine Jugend verbracht hatte. Die Zeiten haben sich zum Glück geändert, doch es herrschen immer noch ein strukturierter Alltag und Regelmäßigkeit, deutliche Abmachungen und feste Disziplin, getragen von einer fundierten pädagogischen Auffassung.

Ja, die Stiftung ist kein Paradies, in dem die „Engel des Meeres“ aufs Geratewohl ein wenig herumflattern können. Sie ist vielmehr ein Ort, wo sie ihrem jungen Leben eine Struktur geben können. Diese Engel haben keine Flügel, sondern eher Schwimmflossen, mit denen sie demnächst aus dem Nest springen können, um in die weite Welt einzutauchen. Jedes Kind hat hier das Recht auf einen sichtbaren Horizont, auch wenn es auf dem Meer einmal stürmt.

Textauszug. Den gesamten Beitrag sehen Sie in mare No. 126.

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Person Von Stephan Vanfleteren
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Der Belgier Stephan Vanfleteren, Jahrgang 1969, lebt als freier Fotograf für Panos Pictures im westflandrischen Veurne. Seinen Text übersetzte Andreas Gressmann aus dem Flämischen.

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Der Belgier Stephan Vanfleteren, Jahrgang 1969, lebt als freier Fotograf für Panos Pictures im westflandrischen Veurne. Seinen Text übersetzte Andreas Gressmann aus dem Flämischen.