Sagenhafte Lichtgestalt

Kaum ein Wetterphänomen hat Seefahrer und Schriftsteller über die Jahrhunderte hinweg derart fasziniert wie das Elmsfeuer. Dabei gibt es dafür eine simple physikalische Erklärung.

No. 127April / Mai 2018

Wissenschaft

Autor Bernd Flessner

Bernd Flessner, Jahrgang 1957 und Ostfriese, lehrt an der Universität Erlangen Zukunftsforschung und arbeitet als Wissenschafts- und Kulturjournalist. Elmsfeuer begeisterten ihn schon seit der Lektüre von „Moby-Dick“ in frühen Jugendtagen.

Alle Rahnocken wurden mit einem bleichen Feuer besprengt; und an jedem dreispitzigen Blitzableiterende von drei spitz zulaufenden weißen Flammen erfasst, brannte ein jeder der drei hohen Masten still vor sich hin in jener schwefeligen Luft, gleich drei riesigen Wachskerzen vor einem Altar.“

Das Schiff, dessen Masten im Elmsfeuer glühen, ist die „Pequod“, befehligt von Kapitän Ahab. (Hier sei kurz gesagt, dass auch Schiffe über Blitzableiter verfügen.) Die Szene ereignet sich, als die Besatzung gerade dabei ist, die Enden der Blitzableiter während eines Gewitters ins Wasser zu lassen. Herman Melville widmet dem Elmsfeuer in seinem Jahrhundertroman „Moby-Dick“, erschienen 1851, ein Kapitel, das den Titel „Kerzen“ trägt. Eine entscheidende Szene, in der kurz der Schwur der Walfänger, den Wal Moby-Dick zu jagen, zur Disposition steht.

Konsens besteht lediglich darin, dass es sich bei dem Phänomen um ein göttliches Zeichen handelt. Kapitän Ahab aber weiß, wie man mit derartigen Zeichen umgeht. „Mit einem Stoß seines Atems löschte er die Flamme.“ Wenig später erschallt der Ruf: „Da bläst er! Einen Höcker wie ein Schneeberg! Das ist Moby-Dick!“ Das Ende der „Pequod“ ist besiegelt.

„Moby-Dick“ ist wohl das bekannteste literarische Werk, in dem das Elmsfeuer thematisiert wird. Als Melville es schrieb, besaß das Phänomen noch die Aura des Geheimnisvollen, Rätselhaften, Unbekannten. Das Elmsfeuer war fester Bestandteil von Seemannsgarn und Nährboden für Aberglauben. Ob Argonautensage oder Fliegender Holländer, kaum eine bedeutende Sage im Kontext der Seefahrt kommt ohne das Elmsfeuer aus.

Ebenso wenig konnten Schriftsteller auf die Lichterscheinung verzichten, sodass sie bei so unterschiedlichen Autoren wie William Shakespeare („Der Sturm“), Karl May („Der Geist des Llano Estacado“) oder Michael Ende („Jim Knopf und die Wilde 13“) auftaucht. Als Erfinder gilt indes der griechische Gott Zeus, der seinen Zwillingen Kastor und Polydeukes die Fähigkeit verlieh, das geheimnisvolle Licht an Masttoppen zu entfachen. Es soll, so will es die Sage, Seefahrern in Not anzeigen, dass sie auf Hilfe hoffen können.

In der römischen Version war es Jupiter, der Castor und Pollux mit der göttlichen Gabe ausstattete. Nach der Christianisierung ging diese Gabe auf den Bischof Erasmus von Antiochia (etwa 240–303) über, der später heiliggesprochen wurde. Da er auch unter seinem lateinischen Namen Elmo bekannt war, erhielt das Phänomen die Bezeichnung Sankt-Elms-Feuer oder einfach nur Elmsfeuer. Erasmus von Antiochia avancierte zugleich zum Schutzheiligen der Seefahrer und löste auch darin Castor und Pollux ab.

Die positive Deutung des Elmsfeuers blieb, wie Logbücher und Chroniken belegen. Ein Beispiel ist die „Historia del Almirante“, die von Fernando Kolumbus (1488–1539) verfasste Biografie seines berühmten Vaters. Darin findet sich auch ein Eintrag von Christoph Kolumbus, der ein Ereignis während seiner zweiten Reise schildert. „Am Samstag, zur Nachtzeit, wurde der Leib des heiligen Elmo gesehen, mit sieben hellen Lichtern im Großtopp – und nachher folgte heftiges Gewitter mit Donner und Blitz und gießendem Regen. Die Seeleute sangen Litaneien und sprachen Gebete zu ihm hinauf in der sicheren Gewissheit, dass, wenn er erscheint, im schwersten Sturm keine Gefahr zu fürchten sei.“

Textauszug. Den gesamten Beitrag sehen Sie in mare No. 127.

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