mare No. 139

Liebe Leserin, lieber Leser,

meine stärkste Erinnerung an die Camargue liegt schon viele Jahre zurück und hat nichts mit der Landschaft zu tun. Die Eltern meiner damaligen Freundin dachten, indem sie ihr wenig Geld mitgaben, werde sich ihre 17-jährige Tochter in ihrem ersten Urlaub mit mir nur Jugendherbergen leisten können, sie werde demnach getrennt von mir schlafen. Und so suchten wir nach der Ankunft in Arles zuerst stundenlang ein wirklich billiges Hotel. Aber alle anderen Erinnerungen drehen sich um diese Weite, diesen Inbegriff der Ebene mit der Wildheit von Pferden und Stieren, Saintes-Maries-de-la-Mer mit im Oktober geschlossenen Fensterläden und leer gefegten Straßen, dieses Restaurant, das einen Eintopf anbot, der uns veranlasste, eine Nacht länger in der Stadt zu bleiben, das Wohnhaus van Goghs, das nur eine der Spuren des Malers war, denen wir begierig folgten und sie klopfenden Herzens mit den Bildern in unserem Kunstbuch abglichen.

An die beiden Expeditionen für meine Dissertation auf der MV „Iselin“ und der MV „Gyre“, zwei US-Forschungsschiffen in der Karibik, kann ich mich ebenso lebendig erinnern. Vor allem an die Versuche, mithilfe eines sogenannten Durchflusszytometers den Einfluss von Eisen auf das Wachstum von Prochlorococcus, einem Fotosynthese betreibenden Cyanobakterium, zu bestimmen. Mein damaliger Mentor und späterer mare-Mitbegründer Frank Jochem forschte hauptsächlich über diesen am häufigsten auf der Erde vorkommenden Organismus. Jochem schreibt über dieses faszinierende Plankton, das hauptsächlich für die weltweite Fotosynthese verantwortlich ist, mehr als fünf Prozent des weltweiten Sauerstoffs produziert und das wir trotzdem erst seit 1988 kennen.

Noch müssen wir uns an die Fischer der deutschen Ostseeküste nicht erinnern, sie sind ja präsent. Aber die Entwicklung der Fischbestände und somit auch die Zahl der lokalen Fischer gibt Anlass zur Sorge. Die beiden Fotografen Franz Bischof und Jan Kuchenbecker fertigten über viele Monate hinweg eine fotografische Bestandsaufnahme fast aller deutschen Ostseefischer. Wir geben jedem Einzelnen und jeder Einzelnen in der vorliegenden Ausgabe ein Gesicht.

Bleiben Sie gesund!

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Das Blaue Telefon

Leser fragen mare

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Ihre mare-Hotline in die unerforschten Weiten und Tiefen der Meere

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Lügendetektortests entscheiden bei US-Wettangelevents darüber, ­ ob Preisgelder in Millionenhöhe an die Sieger vergeben werden oder nicht. Mogeln ist weit verbreitet – auch bei den Tests

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Essay

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Mit gerade 21 Jahren schwamm Mercedes Gleitze als erste Britin durch den Ärmelkanal. Das machte sie zur Berühmt­heit – und zu einer der ersten Werbeikonen weltweit

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Kombüse

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Die Seeaalsuppe caldillo de congrio: Zu essen gibt es sie nur in ­Chile – bekannt ist sie aber in aller Welt. Dank der ihr gewidmeten Ode des chilenischen Nationaldichters Pablo Neruda

Wissenschaft

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Der Blaualge Prochlorococcus verdanken wir unsere Existenz. Mit ihrer Fotosynthese schaffte sie Sauerstoff in die Atmosphäre und ins Meer unseres Planeten. So begann alles tierische Leben

Kolumne

Mein Hooge, 9.

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Unser Kolumnist reiste als Jugendlicher achtmal nach Hooge. Jetzt, nach 30 Jahren, erkundet er die Hallig erneut, als Erwachsener, als Stadtmensch, mit tausend Fragen im Gepäck. Heute versucht er sich als Hobbyarchäologe

Ausguck

Neues aus der Meeresforschung

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Nachrichten aus den Meeresforschungsinstituten der Welt

Die Arktisreise der „Polarstern“

Folge 5: Das Spiel von Licht und Dunkel

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Über das Leben in der ewigen Nacht am Nordpol

Kultur

Tiefes Land

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High Noon zwischen Dünen und Salinen

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Bitterer Reis

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Salon

mare-Salon

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Von A wie Architektur bis Z wie Zoologie