mare No. 82

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Geschichte der schicksalhaften Jagd Kapitän Ahabs nach dem weißen Wal ist nicht so sehr ein Abenteuerroman; letztlich liest sie sich als ein Programm zur politischen und geostrategischen Situierung der noch jungen USA – die Parabel über den schon damals und seither weltbestimmenden missionarischen Anspruch der Vereinigten Staaten. Über das Selbstbewusstsein eines Staates, sein Selbstverständnis von Freiheit und Auserwähltheit in die Welt zu tragen. Sein Einfluss manifestiert sich auch in der deutschen Geschichte: Gudrun Ensslin wies in Stammheim ihren Mitinsassen zur Kodierung die Namen der Schiffscrew zu; Baader etwa war Ahab und Meins war Starbuck. Der frühere „Spiegel“-Chefredakteur und intime RAF-Kenner Stefan Aust erklärte mare-Autor Christian Schüle die Hintergründe dieser radikalen Lesart von Melvilles Roman. Doch lassen Sie sich überraschen, wo und wie wir dem weißen Wal sonst noch begegneten.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen Nikolaus Gelpke

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Die mare-Reportage

Luxusdampfer

„It’s only a short way to the pool deck if you wanna rock ’n’ roll“

Alljährlich legt in Florida ein Luxusdampfer zu einer etwas anderen Kreuzfahrt durch die Karibik ab. An Bord sind ein Dutzend Heavy-­Metal-Bands, die kein Klischee der wilden Rockstars auslassen. Ihre mitreisenden Fans zahlen nicht nur für die Musik, sondern auch für das eigentlich unbezahlbare Gefühl, noch einmal jung zu sein.

Politik

Ein Abenteuer namens Wilhelmshaven

1881 unternahm der französische Science-Fiction-Schriftsteller Jules Verne eine Seereise nach Wilhelmshaven. Die Fahrt in den Kriegsmarinehafen trug ihm den Ruf eines Spions ein.

Essay: Aber am Ende – das Meer!

Meer und Seefahrt prägen den Beginn der literarischen Karriere des jungen Augsburger Dichters Bertolt Brecht.

Leben

Poesie des Überlebens

Alex Webb, einer der großen Fotografen unserer Tage, kennt die Karibik wie kaum ein anderer. Seit vielen Jahren dokumentiert er das Leben der Menschen auf den Inseln. Für den neuen mare-Bildband schuf er Bilder aus einem unbeständigen Paradies.

Kombuese

Kombüse: Der Name der Sauce

Ein französischer Marschall erobert die Insel Menorca und wird zum gefeierten Helden in seiner Heimat. Aber weniger für den Sieg als für sein cremiges Mitbringsel: die Sauce Mayonnaise.

Wissenschaft

Faust

Der Faust von Sankt Gallen

Wie bekommt man das Salz aus dem Meerwasser? Diese Frage trieb einen Schweizer Religionslehrer vor 250 Jahren um. Er baute im Labor eine geheimnisvolle Maschine .

Kleinodien

Die Kleinodien der Ozeane

Kugelige, anmutige Wesen, dünner als ein Haar und prächtig-schön unterm Mikroskop sind die Coccolithophoriden. Die Mikroalgen bevölkern zu Myriaden unsere Meere, und sie leisten unschätzbare Dienste. Die Würdigung einer Kleinigkeit.

Kultur - Titel Moby Dick

Walkampf

Die Geschichte des amerikanischen Walkampfs

Die intensive Lektüre von „Moby-Dick“ offenbart, dass es sich hierbei nicht nur um einen Abenteuerroman handelt. Er erweist sich auch als hochpolitisches Bekenntnis zur jungen USA.

Decknamen

„Moby-Dick“ decoded

Die Rote-Armee-Fraktion gab sich Anfang der 1970er Jahre Decknamen, die aus „Moby-Dick“ stammten. Versuch einer Erklärung.

Melville

Das Epos des Zollbeamten

Von der literarischen Welt nicht mehr beachtet, schrieb Herman Melville einsam sein fast vergessenes Opus maximum „Clarel“.

Aufstand

Grosser Fisch, wo bist du?

Vor 50 Jahren wurde ein präparierter Finnwal als Attraktion durch Europa gekarrt. Unser Autor begab sich auf die Suche.

Action

Viel Wind um wenig Action

Der Magnum-Fotograf Erich Lessing begleitet 1954 die Dreh­arbeiten zu John Hustons Verfilmung von „Moby-Dick“. Seine Bilder sind nicht nur Fotografie-, sondern auch Filmgeschichte.

Wirtschaft

Hashima

Die Geisterinsel

1974 verließen die letzten Kumpel die kleine Insel Hashima vor der japanischen Hafenstadt Nagasaki. Tausende lebten hier auf kleinstem Raum, um Kohle für die aufstrebende Industrienation zu fördern. Ein früherer Bewohner will das Andenken an Hashima bewahren.