mare No. 120

Liebe Leserin, lieber Leser,

nur die kurze Strecke vom Flughafen zur Hauptstadt war asphaltiert. Alle anderen Straßen des Landes glichen eher Pisten, und selten führten Brücken über Flüsse, sodass wir mit unserem VW Käfer öfters stecken blieben und uns vom Begleitfahrzeug, einem VW Bus, herausschleppen ließen. Wir schliefen in Turnhallen oder bei Bauern und wagten uns auf abenteuerlichen Pfaden auf Vulkane. Ich war zwölf Jahre alt, und mein Mathelehrer hatte mich mit einer Gruppe fremder Erwachsener für drei Wochen nach Island mitgenommen. Seither hat sich vieles verändert, auch die Straßen sind kommod befahrbar, aber die Natur ist so aufregend und archaisch wie eh und je.
Und so berichten wir in dem vorliegenden Heft nicht in erster Linie über touristische Highlights, sondern zeigen, was die Ursprünge dieser Landschaft sind. Heike Ollertz, die für mare schon den Island-Bildband fotografierte, fuhr weitere Wochen mit einem Geländewagen durch die gewaltige Natur.
Vor 70 Jahren wurden durch ein Landesprogramm junge deutsche Frauen angeworben, um in Island zu leben, nicht immer unter lauteren Vorwänden. Dimitri Ladischensky und Mathias Bothor besuchten drei dieser Aussiedlerinnen, die ihnen ihr Leben erzählten, das oft so rau und einsam war wie die umgebende Natur.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen Nikolaus Gelpke

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