mare No. 102

Liebe Leserin, lieber Leser,

denke ich an Panama, denke ich an Janosch. Und natürlich an den Panamakanal und dass dieser den Atlantik mit dem Pazifik verbindet und den Schifffahrtsweg um das windumtoste Kap Hoorn enorm verkürzt. Aber ich denke dabei nicht an eine gut 16 Kilometer breite Zone entlang des Kanals, die über 75 Jahre von den USA kontrolliert wurde und in der US-Bürger ein Dasein in einer amerikanischen Enklave lebten. Ich denke dabei auch nicht an die mehr als 28 000 Toten, die die Hybris dieses Kanalbaus forderte. Ich denke nicht daran, dass Panama eigentlich zu Kolumbien gehörte und der Staat in seinen heutigen Grenzen erst für den Kanal erschaffen wurde. Ich denke vor allem nicht daran, dass die USA den Bau schon vor über 100 Jahren vorantrieben, um in erster Linie ihre Flotten schnell von Ost nach West und umgekehrt versetzen zu können und um ihre hegemonialen Ansprüche in Mittel- und Südamerika voranzutreiben. Auch denke ich nicht daran, dass später die autonome Zone die „School of the Americas“ versteckte, in der die USA die Juntas Südamerikas im Foltern, Hinrichten, Erpressen und anderen Zwangsmethoden unterrichteten, in der die schlimmsten Verbrechen der Diktatoren in Lateinamerika vorbereitet wurden. Heute treffen sich Kanalveteranen alljährlich in Florida zum nostalgisch-bedauernden Rückblick.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen Nikolaus Gelpke

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Titel 100 Jahre Panamakanal

Kanal

Das große Graben

Schon Goethe sinnierte über diesen Menschheitstraum: die Verbindung von Atlantik und Pazifik. Doch der Bau des Kanals wurde für Frankreich zum Fiasko. Zigtausende starben, Hunderttausende trieb er in den Ruin. Schließlich vollendeten im Sommer 1914 die USA das gewaltige Bauwerk, das sie zur Großmacht erhob.

Panama

Oh, wie schön war Panama

Seit die USA den Kanal an Panama zurückgegeben haben, erlebt die frühere Kanalzone eine sentimentale Verklärung unter den früheren amerikanischen Mitarbeitern der Kanalverwaltung. Alljährlich treffen sie sich in Florida zum gemeinsamen Gedenken an ihre Vertreibung aus dem Paradies.

Politik

Weltschifffahrtsstraßen

Der einsame Posten

Der Spratly-Archipel im Südchinesischen Meer liegt inmitten wichtiger Weltschifffahrtsstraßen, unter seinem Meeresboden liegen gigan­tische Rohstofflager. Fünf Staaten streiten sich um die Hoheits­rechte – mit bizarren Mitteln.

Essay

Essay: Der Legitime Traum vom Wohlstand

Das moderne Piratentum gibt Robert Louis Stevensons Roman von der „Schatzinsel“ eine unerwartete politische Aktualität.

Leben

Südafrika

Rette sich, wer kann

Küstenwache und Seenotrettung sind in Südafrika privat organisiert und daran gemessen ziemlich effizient. Manchmal ist eine Minicrew mit einem Schlauchboot für Hunderte Kilometer Küste zuständig – wie die Station 28a an der Wild Coast. Diese trägt ihren Namen mit gutem Grund.

Weltenbummler

Briefe nach daheim

Ein junger Weltenbummler schrieb von 1955 bis 1975 den Eltern Briefe von seinen Abenteuern aus den entlegensten Gegenden der Meere. Nun fand sie sein Sohn auf dem Dachboden wieder.

Kombuese

Kombüse: Da haben wir den Algensalat

Der grüne, eklige Glibber, der sich beim Baden um Kinderbeine wickelt, gilt manch anderen als Köstlichkeit. Eine Waliserin gibt Kurse über den richtigen Umgang mit Algen in der Küche.

Wirtschaft

Mord

Der 24-Millionen-Dollar-Mord

Eine Fähre gerät 1990 im Skagerrak kurz nach dem Ablegen in Brand. 159 Menschen sterben in Rauch und Flammen, selbst die schnell herbeigeeilte Feuerwehr schafft es nicht, gegen die Brände anzukommen – immer wieder neue Herde brechen aus. Hat die Crew die Feuer gelegt? Das sollen neue Ermittlungen nun beweisen.

>Fischsahne<

Kraft durch Fischsahne

Die Kriegswirtschaft der Nazis suchte so verzweifelt wie ideenreich nach Wegen aus dem Nahrungsmittelmangel. Ausgerechnet bei Fischmehl wurde man fündig. Ein Unternehmer aus Bremerhaven entwickelte daraus einen Eiweißersatz, der als Tablette Frontsoldaten stärken sollte und sich sogar zu Sahne verrühren ließ.

Kultur

Linie

Schön schnittig und auf Linie

Cäsar Pinnau zählte zu den führenden Architekten der NS-Zeit, nach dem Krieg wurde er für seine repräsentativen Wohnbauten, vor allem aber für die Designs von Yachten für Superreiche bewundert. Doch zeitlebens schaffte es der Hamburger nicht, seine Vergangenheit als Liebling der Nazigrößen abzulegen.

Astoria

In den Wind geschrieben

Einmal im Jahr, zwischen zwei Saisons, treffen sich Fischer aus dem eisigen Nordpazifik im Hafenstädtchen Astoria an der Küste des US-Bundestaats Oregon zum „Fisher Poets Gathering“. Auf diesem Festival frönen die rauen Männer und Frauen einer Herzensangelegenheit: Gedichte schreiben und sie einander vortragen.

Wissenschaft

Papierboot

Origami in der Tiefsee

Ein seltsames Lebewesen von eigenwilliger Poesie ist das Papierboot, eine Art Krake, die sich eine hauchdünne Schale, ähnlich wie Reispapier, baut. In diesem Gebilde treibt sie ihr Leben lang durch die Meere auf der Suche nach Liebespartnern.