mare No. 102

Liebe Leserin, lieber Leser,

denke ich an Panama, denke ich an Janosch. Und natürlich an den Panamakanal und dass dieser den Atlantik mit dem Pazifik verbindet und den Schifffahrtsweg um das windumtoste Kap Hoorn enorm verkürzt. Aber ich denke dabei nicht an eine gut 16 Kilometer breite Zone entlang des Kanals, die über 75 Jahre von den USA kontrolliert wurde und in der US-Bürger ein Dasein in einer amerikanischen Enklave lebten. Ich denke dabei auch nicht an die mehr als 28 000 Toten, die die Hybris dieses Kanalbaus forderte. Ich denke nicht daran, dass Panama eigentlich zu Kolumbien gehörte und der Staat in seinen heutigen Grenzen erst für den Kanal erschaffen wurde. Ich denke vor allem nicht daran, dass die USA den Bau schon vor über 100 Jahren vorantrieben, um in erster Linie ihre Flotten schnell von Ost nach West und umgekehrt versetzen zu können und um ihre hegemonialen Ansprüche in Mittel- und Südamerika voranzutreiben. Auch denke ich nicht daran, dass später die autonome Zone die „School of the Americas“ versteckte, in der die USA die Juntas Südamerikas im Foltern, Hinrichten, Erpressen und anderen Zwangsmethoden unterrichteten, in der die schlimmsten Verbrechen der Diktatoren in Lateinamerika vorbereitet wurden. Heute treffen sich Kanalveteranen alljährlich in Florida zum nostalgisch-bedauernden Rückblick.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen Nikolaus Gelpke

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