Frau am Steuer

Zeit ihres Lebens schlugen ihr Widerstand und Ablehnung entgegen. Doch Annaliese Teetz ließ sich nicht von ihrem Traum abbringen Kapitänin zu werden. Mit dem Großen Patent schaffte sie es zwar auf die Brücke, aber die letzte Erfüllung blieb ihr verwehrt

Anneliese Teetz hatte das Pech, zu früh geboren worden zu sein. Zeit ihres Lebens schlugen ihr Widerstand und Ablehnung entgegen, obwohl sie nur diesen einen Wunsch hatte: Sie wollte ihren Traumberuf ausüben und darin von Kollegen und Reedereien respektiert werden.

Sie ging einen langen Weg, und rückblickend lässt sich sagen, dass dieser erstaunlich erfolgreich war. Teetz ist die erste Frau, die in Deutschland offiziell ein Kapitätspatent für die Große Fahrt erwarb. Das war 1955. Doch die Erfüllung ihres ganz großen Traums blieb ihr verwehrt: das Kommando über ein Schiff in der Großen Fahrt zu übernehmen. Teetz war eine Kapitänin, der nie die Chance gegeben wurde, Kapitänin zu sein.

Teetz wurde 1910 als Annaliese Sparbier in Hamburg geboren. Ihr Vater war Lehrer, auch sie schlug zunächst diesen Werdegang ein. Der Beruf als Lehrerin sollte ihr zwischendurch immer wieder den Lebensunterhalt sichern.

Schon früh fühlte die Hamburgerin sich dem nassen Element verbunden. So schreibt sie in ihrer Lebenserinnerung, die sie handschriftlich für ihre Familie verfasste: „Während meiner Schulzeit lernte ich in der Badeanstalt rudern, wriggen und seemännische Knoten, obgleich wir in einer Gegend von Hamburg wohnten, die mit der Seefahrt nichts zu tun hat. Ich brachte eine große Begeisterung auf für alles, was mit dem Wasser zusammenhing, ob es sich nun um paddeln oder schwimmen oder die Bücher von Gorch Fock handelte.“

In den Sommerferien lernte sie segeln, fuhr als junge Studentin mit einem Faltboot entlang der Ostseeküste und als Stewardess auf dem lettischen Dampfer „Kurland“, was ihre Leidenschaft endgültig entfachte. Sie schreibt: „Jetzt hatte ich die See gesehen, und es gab für mich nur noch ein Ziel: Seemann zu werden.“

Doch die Suche nach einer entsprechenden Ausbildungsmöglichkeit gestaltete sich schwierig. „Es war 1929, es herrschte große Arbeitslosigkeit. Ich lief von Reederei zu Reederei, ich war bei Maklern, Heuerbasen und auf der Seefahrtsschule, ohne einen rechten Begriff von den Zusammenhängen zu haben. Höhnisches Lachen oder bedauerndes Achselzucken waren meine Erfolge.“

Aber sie ließ sich nicht entmutigen und versuchte es auf Umwegen. Sie absolvierte ihr Schulpraktikum 1931 in Finkenwärder (ab 1937 Finkenwerder) und bemühte sich dort darum, Fischer kennenzulernen, die sie mit auf See nehmen. Tatsächlich schaffte sie das schier Unmögliche: Die 21-Jährige überzeugte den Reeder Gert von Eitzen, auf seinem Fischdampfer „Neptun“ anheuern zu dürfen. Sie wolle, so erzählte sie ihm, Material für einen Aufsatz über den Heringsfang sammeln. Von Eitzen willigte ein. Seine einzige Bedingung: Sie musste sich als Junge verkleiden, damit der Schock, eine Frau an Bord zu haben, der Besatzung erspart bleibe und ihr selbst eventuelle Scherereien.

Teetz unternahm daraufhin zwei Reisen auf Fischdampfern der Reederei Eitzen, auf der „Brigitta“ und der „Neptun“, die sie bis zu den Fischgründen südlich von Island führten. „Für meinen Unterhalt hatte ich mitzuarbeiten und fasste eine große Liebe zu dem harten Beruf des Hochseefischers“, so Teetz.

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mare No. 145

mare No. 145April / Mai

Von Christine Keitsch

Christine Keitsch, Jahrgang 1961, ist Leiterin des Schifffahrtsmuseums Unterweser in Brake. Die Erstfassung ihres Artikels über Annaliese Teetz erschien 1998 im „Deutschen Schifffahrtsarchiv“.

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Vita Christine Keitsch, Jahrgang 1961, ist Leiterin des Schifffahrtsmuseums Unterweser in Brake. Die Erstfassung ihres Artikels über Annaliese Teetz erschien 1998 im „Deutschen Schifffahrtsarchiv“.
Person Von Christine Keitsch
Vita Christine Keitsch, Jahrgang 1961, ist Leiterin des Schifffahrtsmuseums Unterweser in Brake. Die Erstfassung ihres Artikels über Annaliese Teetz erschien 1998 im „Deutschen Schifffahrtsarchiv“.
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