Das Meer der Heiterkeit

Einmal im Jahr lädt der Cartoonist Denis Metz Kolleginnen und Kollegen seines Fachs in seine ostfriesische Heimat auf Baltrum. Fünf Tage lang versuchen sie sich im Erfinden von Bilderwitzen zu übertreffen. Harte Arbeit. Aber es gibt viel zu lachen

Das wunschlose Glück hat eine ungeliebte Schwester: die Vergänglichkeit. Kaum ist man einmal ein paar Momente lang ohne Verlangen, ohne Hast und ohne Sorgen, hat genüsslich in der Hängematte schwingend Löcher in die Luft gestarrt, auf der Yacht im Sundowner-Dämmertörn müde in die Sonne geblinzelt, kommt verlässlich die Unzufriedenheit angekrochen. Irgendetwas fehlt. Eine Hängemattenhöhenautomatik vielleicht. Irgendetwas ist nicht richtig. Eventuell schwankt die Yacht zu sehr. Vielleicht entsprechen auch die gesetzlichen Vorgaben zur Vermögensbesteuerung nicht der eigenen Fasson. Dann beginnt es im Kopf zu rattern, und ein Einfall muss her. Eine Erfindung will erdacht sein, eine technische Lösung oder eine formale.

Kreativität ist kein Kind der Fülle, sondern der Not. Sie mache erfinderisch, heißt es. Sollte das auch für das Erdenken von Witzen gehen, dann könnte es eine gute Wahl sein, zur Gagfindung dorthin zu reisen, wo die Landschaft schmucklos ist und die Leute wortkarg. Nach Ostfriesland.

Die Ostfriesen haben es geschafft, den Namen von neun ihrer elf Küstenorte zwischen Wilhelmshaven und Emden auf das Wort „Siel“ enden zu lassen und noch heute mit Telefonnummern wie „303“ auszukommen. Gleichfalls ist es ihnen gelungen, ein Universum an Witzen zu begründen, dessen einziger Kern ihre vermeintliche Dummheit ist. Das ist Schmalspur pur, und die Hardcoreversion davon ist Baltrum, die kleinste der bewohnten Ostfriesischen Inseln.

Alle gezeigten Cartoons sind während des Treffens auf Baltrum entstanden. 

Baltrum ist die Nummer vier in der Reihe, links von ihr liegt Norderney, rechts, Nummer fünf, Langeoog. Die nördliche Längsseite blickt in die Weite des Wattenmeers, die südliche auf die ostfriesische Küste mit ihren Windkraftanlagen und den Hafen von Neßmersiel.
Von hier legt – je nach Gezeiten, auf jeden Fall einmal täglich – die Fähre ab, und einmal im Jahr setzen mit ihr einige der besten Zeichnerinnen und Zeichner über, plus einige ambitionierte, um am Cartoonistentreffen „Inselwitz“ teilzunehmen.

Initiator Denis Metz, preisgekrönter Witzezeichner, lobt die Ruhe der baltrumschen Urlaubsidylle in Bezug auf den kreativen Schaffensprozess seiner Gäste. „Ideen“, so seine schöne Formulierung, würden „sprießen“.

Denis Metz hat vor etwas über zehn Jahren den Weg nach Baltrum gefunden, wo vor allem der Strandhafer sprießt, und beschlossen, zu bleiben. Für die Kurverwaltung gestaltet er Prospekte, Plakate und PR-Material, ansonsten haut er Cartoons raus. Etwa für die „Süddeutsche Zeitung“, die „taz“ und „Titanic“. Er weiß, was er kann, liebt die Insel und Beate, die er hier kennengelernt hat, und macht einen sehr zufriedenen Eindruck. Es ist Ende September, ein früher Sonntagabend, und aus dem ganzen Bundesgebiet treffen zwei Zeichnerinnen und acht Zeichner im Restaurant „Moby Dick“ ein, um fünf Tage lang unter dem Motto „Auf See“ zu arbeiten. Denis Metz kennt alle bis auf Andreas Rasper aus den Vorjahren, die Begrüßung ist die alter Freunde.

Alle gezeigten Cartoons sind während des Treffens auf Baltrum entstanden. 


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mare No. 145

mare No. 145April / Mai

Von Silke Burmester

Autorin Silke Burmester nahm es als Kompliment, dass zum Ende der „Inselwitz“ das Bedauern groß war, dass sie schlicht nicht gut genug zeichnen kann, um teilzunehmen. Da blieb nur, sich als Gast ein Quartier zu sichern. Mit Gemeinschaftsbad.

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Vita Autorin Silke Burmester nahm es als Kompliment, dass zum Ende der „Inselwitz“ das Bedauern groß war, dass sie schlicht nicht gut genug zeichnen kann, um teilzunehmen. Da blieb nur, sich als Gast ein Quartier zu sichern. Mit Gemeinschaftsbad.
Person Von Silke Burmester
Vita Autorin Silke Burmester nahm es als Kompliment, dass zum Ende der „Inselwitz“ das Bedauern groß war, dass sie schlicht nicht gut genug zeichnen kann, um teilzunehmen. Da blieb nur, sich als Gast ein Quartier zu sichern. Mit Gemeinschaftsbad.
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