Wer hat den Dreh raus?

Vom einfachen Brett zum Hightech-Joystick: Die Geschich­te des Schiffsruders ist lang und windungsreich

„Hart backbord!“ Als Francis Drake das Kommando zur Überraschungsattacke auf die spanische Armada gibt, greift er selbst in die Speichen des Steuerrads seiner „Revenge“, um das Schiff schneller in die richtige Angriffsposition zu bringen. So zu sehen in dem kanonendonner- und pulverdampfreichen Abenteuerfilm „Pirat der sieben Meere“ mit Rod Taylor als Freibeuter Francis Drake.

Nur: Als die zugrunde liegende Seeschlacht zwischen Briten und Spaniern 1588 im Ärmelkanal geschlagen wurde, war das Steuerrad noch gar nicht erfunden. Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde es auf englischen Kriegsschiffen eingeführt. Die HMS „Stirling Castle“, ein Linienschiff der Royal Navy mit 70 Kanonen, das im November 1703 auf den Goodwin-Sänden vor der Südostspitze Englands in schwerem Sturm sank, ist das früheste archäologisch gesicherte Beispiel für die Existenz eines Steuerrads.

Jahrhundertelang davor war die Technik, mit der Schiffe gesteuert wurden, simpel. Das Schiffsruder war nichts weiter als ein Ruder; das Ruder, mit dem gesteuert wurde, unterschied sich nur in Länge und Breite von den Rudern, mit denen das Schiff angetrieben wurde. Phönizier und Griechen begannen solche Steuerruder um 1100   v.  Chr. an beiden Seiten des Hecks ihrer Schiffe zu montieren; im Norden benutzte man lediglich ein einzelnes Ruder am Heck, das zur einfachen Bedienung für Rechtshänder an der rechten Schiffsseite, „Steuerbord“, angebracht war.

Erst im Mittelalter entwickelten die Schiffbauer des Mittelmeers für ihre Galeeren eine neue Technik, mit der sie den Wasserwiderstand des Ruders verringerten und die Anströmung des Ruderblatts – und damit die Manövrierfähigkeit des Schiffs – verbesserten. Das Ruderblatt wurde von der Seite des Schiffs hinter die Mitte des Hecks versetzt, es bildete jetzt mit der Kiellinie des Schiffs eine Flucht und lagerte mit sogenannten Fingerlingen in Ösen, die am Achtersteven befestigt waren. Dieses drehbare Scharnierruder konnte nun mit einem Hebel – der Pinne – nach Backbord oder Steuerbord gelegt werden.

Auch im Norden entdeckte man im 13. Jahrhundert die Vorzüge dieses Heckruders gegenüber dem Seitenruder. Bis zum 15. Jahrhundert setzte es sich allgemein durch. Dabei differenzierten sich die Formen und Größen des Ruderblatts immer weiter, da man erkannt hatte, dass das Ruder umso größer sein musste, je langsamer ein Schiff war, und umso schmaler sein durfte, je schneller das Schiff fuhr. Daher wirken die schmalen sichelförmigen Ruder großer und schneller Galeeren geradezu filigran, ebenso wie später die der riesigen, enorm hoch getakelten und rasant segelnden Rahsegler.

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mare No. 144

mare No. 144Februar / März

Von Peter Sandmeyer

Peter Sandmeyer, Jahrgang 1944, Autor in Hamburg, schätzt als passionierter Schiffer die Vorteile heutiger Technik. Zwar steuert er gern eine klassische Yacht mit Pinne, aber ebenso gern ein Flussschiff mit Joystick.

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Vita Peter Sandmeyer, Jahrgang 1944, Autor in Hamburg, schätzt als passionierter Schiffer die Vorteile heutiger Technik. Zwar steuert er gern eine klassische Yacht mit Pinne, aber ebenso gern ein Flussschiff mit Joystick.
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Vita Peter Sandmeyer, Jahrgang 1944, Autor in Hamburg, schätzt als passionierter Schiffer die Vorteile heutiger Technik. Zwar steuert er gern eine klassische Yacht mit Pinne, aber ebenso gern ein Flussschiff mit Joystick.
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