Mein Usedom

Eine poetische Liebeserklärung an das Meer. Eine unerschrockene Auseinandersetzung mit der Geschichte Usedoms - und mit der eigenen Geschichte.
Es ist eine Vernissage, die den Schriftsteller auf die Insel bringt. In der Betrachtung von Bildern kann er, wie in der Betrachtung des Meeres, seit jeher versinken. An diesem Abend auf Usedom jedoch spricht ihn ein Fremder an, der von seiner Beschäftigung mit der Sage vom versunkenen Vineta weiß und sich darüber lustig macht. Erinnerungen tauchen auf: das erste Gedicht, das der Schriftsteller als 14-Jähriger eines Nachts an der zugefrorenen Ostsee verfasste; das Ende der Kindheit; die regelmäßige Wiederkehr nach Usedom, das von alters her mit Vineta verbunden ist. Was hat es auf sich mit dieser sagenhaften Stadt, die dem Schriftsteller als Bild des untergegangenen Landes erscheint, aus dem er stammt? Der Fremde ist hartnäckig. Und entpuppt sich bald als Wiedergänger einer der umstrittensten Figuren des letzten Jahrhunderts: Wernher von Braun, der im ehemaligen Fischerdorf Peenemünde die V2-Rakete entwickelte. Im Streit um ihr Leben, im Streit um die Entscheidung, fortzugehen, neu zu beginnen, zurückzukehren, erscheint dem Raketeningenieur wie dem Schriftsteller die Vergangenheit in neuem Licht.
Während ihres Gesprächs erstrahlt die Insel in den wechselnden Farben des Meers und des Himmels. Sie ist nicht stumm, die Winde reden immer mit. Uwe Kolbes innige Auseinandersetzung mit einem großen Motiv aus der Sagenwelt ist zugleich eine poetische Liebeserklärung an Usedom - und an die See.
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Mein Usedom
gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen
128 Seiten
ISBN: 978-3-86648-162-6
Erscheinungsdatum: 08.07.14
„Der Leser geht mit Uwe Kolbe durch eine Galerie der Erinnerungen, das Buch ist auch eine große Fabel für das, was sich ansammelt im Lauf des Lebens, das wir immer wieder umwenden und neu betrachten und dann neu bewerten.“
NDR 1
„Uwe Kolbes Mein Usedom hat beim ersten Blick die Anmutung eines Reiseführers. Das ist ganz falsch – und es ist ganz richtig, wenn man die Reise hier als eine in die Vergangenheit, in den Mythos, in die Verwerfungen des eigenen Lebens sieht. Mein Usedom ist der Sehnsuchtsort, an dem eine existentielle Introspektion stattfindet (…). Auch für den Leser entsteht nach und nach die Gewissheit, dass dieses kleine große Usedom mehr bereit hält als weiße Kulisse auf blauer See.“
Tagesspiegel
„Beim mareverlag gibt es diese wunderbare Meine-Insel-Reihe. Schriftsteller schreiben darin über Inseln, die durch bestimmte Umstände 'ihre' geworden sind (...). Wer in diesem Buch einen literarisch getunten Reiseführer mit Usedom-Dönekes, Salzluft und Möwengeschrei erwartet, wird unweigerlich enttäuscht. Kolbes Usedom ist eine ausufernde Reflexion über Schreiben und Erinnern, Geschichte und Gewalt, Diktatur und Idyll.“
Berliner Zeitung

Uwe Kolbe

Uwe Kolbe ist einer der wichtigsten deutschsprachigen Lyriker der Gegenwart. Geboren 1957 in Ostberlin, übersiedelte er 1988 nach Hamburg, wo er heute, nach Jahren in Tübingen und Berlin, wieder lebt. Seit 2007 war er mehrfach als „poet in residence“ in den USA. Für seine Arbeit wurde er u.a. mit dem Stipendium der Villa Massimo, dem Hölderlin-Preis, dem Preis der Literaturhäuser und zuletzt 2012 mit dem Heinrich-Mann-Preis und dem Lyrikpreis Meran ausgezeichnet. Zuletzt erschienen: Lietzenlieder (Gedichte, 2012) und Die Lüge (Roman, 2014).

Uwe Kolbe