mare No. 22

Aktuelles Heft

Okt 2017, No. 124

EIN KAPITÄN VERSCHWINDET
Das Rätsel der Seemannskiste

LAUSCHANGRIFF IN DER TIEFE
Seekabel - verletzliche Schlagadern der Datenwelt

Marlene Dietrich
Königin der Transatlantikfahrt

Weltkarte

Liebe Leserin, lieber Leser,

zwei Jahre Vorbereitung für die Reise ins Land der Tschuktschen, am äußersten nordöstlichen Zipfel Sibiriens, verbrachte Liebman vor allem mit Warten: auf Transportmittel, auf gutes Wetter und auf Antworten von Behörden. Wohl nur, weil wir den namhaften russischen Schriftsteller Juri Rytchëu als Autor gewonnen hatten, wurde das mare-Team nach Tschukotka gelassen. Dorthin, wo die Meeresjäger leben, die noch heute Wale fangen. Zweimal hielt sich Liebman dort auf, jeweils für sechs Wochen, 90 Tage insgesamt. Die erste Fahrt, im kurzen sibirischen Sommer, gestaltete sich zunächst planmäßig, mit Regionalflugzeugen und einer mehrtägigen Schiffsfahrt. Auf dem Rückweg aber ging nichts mehr: Das Schiff war plötzlich spurlos verschwunden, und mit einem kleinen offenen Boot konnte das Flugzeug trotz Tag- und Nachtfahrt nicht mehr erreicht werden: 14 Tage warten auf das nächste, mit kaum mehr als Wodka zu trinken. Beim zweiten Mal, im Winter, stockte schon die Anreise. Die Beringsee war zugefroren, über die letzten 100 Kilometer wussten zwei Schneemobile aushelfen. Schließlich setzten Frost und Schneefall so stark ein, dass an eine Rückkehr in die Zivilisation nicht mehr zu denken war. Wieder Wochen warten, bis der Pilot des Hubschraubers, der sich zufällig wegen eines Notfalleinsatzes in der Nähe aufhielt, per Funk zu einem Umweg überredet werden konnte.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen
Nikolaus Gelpke

 

Ein Blick ins Heft

Artikel in Auszügen

Wissenschaft

Eleganz unter Wasser

Text: Ute Schmidt   Fotos: Jürgen Freund
Die gefürchteten und sagenumwobenen Seeschlangen sind friedlicher als ihr Ruf. Nur drei von rund 60 Arten gelten als aggressiv, andere sind eher neugierig als bissig. Aber Giftzähne haben sie alle.

Troubadour der Tiefe

Text: Emanuel Eckardt   
Der Wal, deutlich schwerer als Luciano Pavarotti, erfreut sich bei seinen Arien einer traumhaften Atemtechnik. Eine Sammelrezension der singenden Art.

Kultur

Wie das Meer ins Ohr kam

Text: Jens Rosteck   
Die Geräusche des Meeres musikalisch zu beschreiben war für die Komponisten aller Zeiten eine große Herausforderung.

Das Comeback des Schifferklaviers

Text: Sabine Kobes   
Seemannslieder sind in Deutschland untrennbar mit dem Akkordeon verbunden. Heutzutage haftet ihm etwas Muffiges an. Doch weltweit ist es neben der Geige das beliebteste Instrument.

Der tödliche Gesang der Sirenen

Text: Zora del Buono   
Sirenen begleiten den europäischen Menschen seit fast dreitausend Jahren durch die Kulturgeschichte. Zumeist als sinnliche, aber verwerfliche Versuchung.
Drei Cartoonisten illustrierten für mare den größten Ohrwurm aller Zeiten.

Modern Jazz mit Muschelmagie

Text: Klaus von Seckendorf   Fotos: Bastienne Schmidt
Der New Yorker Posaunist Steve Turre gilt als der weltbeste Virtuose unter den Muschelbläsern. Dabei ist Muschelmusik eigentlich Schneckenmusik: Es sind Gehäuse von Meeresschnecken, aus denen seit der Jungsteinzeit Töne gezaubert werden.

Leben

Der Sound der MS „Damaskus"

Text: Zora del Buono   
Für Schiffsbesatzungen, die lange unterwegs sind, ist Musik an Bord fast überlebensnotwendig.

25°04' Süd, 130°06' West

Text: Ulli Kulke   
In einem Holzschuppen am Landeplatz der kleinen Felseninsel mitten im Pazifik hängt ein Schild: „Wer Teile der ‚Bounty' entfernt oder anderen Personen dabei hilft, Teile zu entfernen und von Pitcairn wegzuschaffen, wird mit einer Geldbuße bis zu 150 Dollar bestraft. ...

Ein Gruß für die ganz Großen

Text: Olaf Kanter   Fotos: Stefan Pielow
Jedes Schiff, das in den Hamburger Hafen einläuft, bekommt am Schulauer Fährhaus seine Nationalhymne vorgespielt. Dafür sorgen seit 1952 die Kapitäne von der Schiffsbegrüßungsanlage.

Politik

Katastrophe in der Tiefe

Text: Cay Rademacher   
Fahrten in Atom-U-Booten, egal aus welchem Land, waren schon oft ein Himmelfahrtskommando. 32 Jahre vor dem Untergang der russischen „Kursk" verschwand die USS „Scorpion" im Atlantik. Der genaue Hergang bleibt ein Rätsel. Eine Rekonstruktion der Ereignisse.

Wirtschaft

Meeresjäger am Ende der Welt

Text: Juri Rytchëu   Fotos: Russel Liebman
Der Schriftsteller Juri Rytchëu kehrte für mare in seine Heimat Tschukotka am östlichsten Zipfel Sibiriens zurück. Von Moskau vergessen, können sich die Menschen dort nur noch von Walen und Robben ernähren.

Kombüse

Wie ein Lobster zu seinem Namen kam

Text: Zora del Buono   Fotos: Zora del Buono
Auch in Florida kann es Geschichte geben: ein kluger junger Mann baute sich in den zwanziger Jahren eine Zukunft.

Blaues Telefon

Wie stark wird der Meeresspiegel künftig wirklich ansteigen? Auf Barbados habe ich einmal einen "Dolphin" gegessen. War das etwa ein Delfin? Wie erzeugen Rochen ihre Stromstöße?