mare No. 27

Aktuelles Heft

Okt 2017, No. 124

EIN KAPITÄN VERSCHWINDET
Das Rätsel der Seemannskiste

LAUSCHANGRIFF IN DER TIEFE
Seekabel - verletzliche Schlagadern der Datenwelt

Marlene Dietrich
Königin der Transatlantikfahrt

Weltkarte

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich bin erleichtert. Fast 20 Jahre hielt ich mich für einen Feigling. Jetzt weiß ich, dass ich damals weise war. Anfang der achtziger Jahre arbeitete ich als Taucher auf einer Austernfarm an der kanadischen Ostküste. Immer wieder begegneten mir dabei unter Wasser Hummer. Natürlich wollte ich sie fangen, aber ihre Wendigkeit und die Drohgebärden ihrer Scheren ließen mich von meinem Vorhaben abkommen. Ich war klug beraten, denn die Kraft der Hummerzangen ist proportional zur Größe eine der stärksten im Tierreich. Schon die englischen Bezeichnungen der beiden unterschiedlichen Scheren lassen Schreckliches vermuten: Die große nennt sich „crusher", die kleinere „cutter". Der „cutter" schnappt mit der Geschwindigkeit von 20 Metern pro Sekunde nach der Beute oder meinem Finger, und der „crusher" zermalmt ihn mit einer Kraft, die auch dicke Muschelschalen knackt. Unser enorm starker Kaumuskel schafft das nicht. Das ist nur eine der Überraschungen, die Sie in dieser Ausgabe über die letztlich recht unbekannten Krustentiere lesen können.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen
Nikolaus Gelpke

 

Ein Blick ins Heft

Artikel in Auszügen

Artikel in Auszügen

Wissenschaft

Ritter ohne Burg

Text: Joachim Wrage   Fotos: Klaus Ensikat
Vor Helgoland haben es die Hummer schwer - Wohnungsnot behindert die Fortpflanzung.

Karotin macht sexy!

Text: Cord Riechelmann   
Rot zu werden ist für Tiere schwieriger, als schwarz zu sein. Das liegt an den Pigmenten, die für die Färbung sorgen. Während zum Beispiel Melanin, das die Federn der Amsel schwärzt, im Körper selbst entsteht, können die für rote Töne verantwortlichen Carotinoide vom Tier nicht selbst gebildet werden.

Enträtselung der Speisekarte

Text: Cornelia Buchholz   
Kleine Einführung in die korrekte, manchmal aber auch groteske Bezeichnung der Krustentiere.

Die Kraft der zwei Zangen

Text: Ute Schmidt   Fotos: Günther Radtke
Schnell, stark, effektiv: Mit ihren Scheren knacken Krebse Schnecken, Muscheln - und Fingerknochen.

Die rote Armee

Text: Susanne Hase   Fotos: Claudine Doury, Jürgen Freund
Einmal im Jahr marschieren die Landkrebse auf Christmas Island zur Fortpflanzung ans Meer. Der Mensch hat sich an die krabbelnden Massen gewöhnt - und hilft ihnen sogar im Kampf gegen die Ameisen.

Kultur

Nah am Wasser gebaut

Text: Markus Jehle   Fotos: Heidi Kull
Sensibelchen und leidenschaftlicher Sammler - der Krebs aus der Sicht des Astrologen.

Kaltes Fleisch

Text: Claus-Peter Lieckfeld   
Ob der Hummer auf seinem Weg zum Kochtopf Schmerz empfindet, wissen wir nicht. Der Mensch hingegen, das beweist sein Umgang mit dem Krustentier, handelt völlig gefühllos.

Die Taucherinnen

Text: Zora del Buono   
Der Anthropologe Fosco Maraini reist 1954 auf die Insel Hekura im Japanischen Meer, wo Frauen traditionell den härtesten Job erledigen: Sie tauchen nach Abalone-Schnecken. Eine magische Vertrautheit mit dem Meer gibt ihnen die nötige Kraft.

Stell dir vor, das Schiff geht unter

Text: Jochen Möller   
Kurzgeschichte

Leben

25°04' Süd, 130°06' West

Text: Ulli Kulke   
In einem Holzschuppen am Landeplatz der kleinen Felseninsel mitten im Pazifik hängt ein Schild: „Wer Teile der ‚Bounty' entfernt oder anderen Personen dabei hilft, Teile zu entfernen und von Pitcairn wegzuschaffen, wird mit einer Geldbuße bis zu 150 Dollar bestraft. ...

Politik

Schule zur See

Text: Olaf Kanter   Fotos: Kathrin Wahrendorff
Auch im 21. Jahrhundert lässt die deutsche Marine ihre Flotte nur von Offizieren lenken, die vorher das Segeln gelernt haben. John Schamong, Kommandant der „Gorch Fock", erklärt, was die Ausbildung auf dem Schulschiff so wertvoll macht.

Wirtschaft

Hoheit schwört auf Hightech

Text: Hans-Christof Wächter   Fotos: Knut Gielen
Kronprinz Tupouto'a von Tonga hegt ehrgeizige Pläne für das Südsee-Inselreich.

Gold aus Biomüll

Text: Maik Brandenburg   Fotos: Axel Martens
Die Schalen der Krebstiere liefern einen Stoff mit erstaunlichen Eigenschaften.

Nachruf auf einen Weltenretter

Text: Thomas Kerstan   
Krill galt in den siebziger Jahren als unerschöpfliche Eiweißreserve im Kampf gegen das globale Hungerproblem.

Eine hässliche Delikatesse

Text: Angelika Stucke   Fotos: Christoph Otto
In spanischen Edel-Restaurants wie dem „Botafumeiro" gehören Percebes zu den begehrtesten Speisen. Für die unansehnlichen Krebse, fälschlicherweise Entenmuscheln genannt, klettern die Fischer todesmutig in die Klippen vor der galicischen Küste hinab.

Der Weg zum Skandal

Text: Dieter Richter   Fotos: Zora del Buono
In Essen lebte Alfred Krupp als Großindustrieller, auf Capri soll er sich sinnlichen Genüssen ergeben haben. Daran ist er gescheitert. Doch er hinterließ die schönste Straße der Welt: die Via Krupp.

Pazifische Illusion

Text: Roland Brockmann   
Wenn Hollywood Schiffe versenken will, ziehen die Filmemacher nach Mexiko. Direkt am Meer haben sie ein riesiges Schwimmbecken gebaut, in dem schon die „Titanic" sank und die US-Flotte von „Pearl Harbor".

Lügen haben keine Scheren

Text: Klaus von Seckendorf, Dietmar Bartz   
In Japan ist Surimi die Kunst, aus weißem Fisch leckere bunte Happen zu zaubern. Bei uns heißt Surimi nur „Krebsfleisch-Ersatz" - wer soll da auf den Geschmack kommen?

Blaues Telefon

Welche Signale geben Schiffe im Hafen oder auf hoher See? Kann man in der Unterelbe tatsächlich Seehunde beobachten? Kinder, das bemerkte ich auf Korsika, haben Angst vor Quallen. Zu Recht? Stimmt es, dass der Meeresspiegel des Kaspischen Meeres sehr stark schwankt?