Wie regenerationsfähig sind eigentlich Seesterne?

Warum laufen Wellen in Landnähe häufig in eine andere Richtung als der Wind, der sie ja erzeugt?
Wie kommt es, dass die Geschwindigkeiten auf See in Knoten angegeben werden? ... und weitere Fragen und Antworten
Apr 2008, No. 67

Heftinhalt mare No. 67

DIE ÖL-CONNECTION
Kampf ums schwarze Gold des Kaukasus

EISHANDEL
Wie ein Bostoner die Kälte in die Tropen brachte

DAS GIRL VON IPANEMA

Warum laufen Wellen in Landnähe häufig in eine andere Richtung als der Wind, der sie ja erzeugt?
Peter Wiechmann, per E-Mail

Pustet man kräftig in die Kaffeetasse, um sich nicht den Mund zu verbrühen, sieht man Miniaturwellen vor dem Atem fliehen. Wind macht also Wellen. Doch das heißt noch lange nicht, dass er auch die Richtung der Wellen bestimmt, gerade in Landnähe. Warum das so ist, erklärt wieder mal das Buch „Seewetter" des Seewetteramts. „Laufen die Wellen auf einen Strand auf, so richten sich bereits weit draußen die Wellenkämme parallel zum Anstieg des Meeresbodens aus." Denn in flacherem Wasser laufen die Wellen langsamer als in tiefem Wasser. Der seewärtige, vom Strand entfernte Teil einer Welle ist daher schneller als der landseitige. So schwenkt die Welle auf den Strand zu, bis sie parallel heranrollt. An kleineren Inseln wird dieses Refraktion genannte Phänomen besonders deutlich: Stellen wir uns die Welle als ein Kind mit ausgebreiteten Armen vor, das sich vom Wind treiben lässt. Hält es sich an einer Stange fest (in Realität unsere kleine Insel), wird es von der Stange gebremst und es wickelt sich um die Stange, wie die Wellen um die Insel laufen - unabhängig von der Windrichtung. An Steilküsten behalten die Wellen ihre ursprüngliche, vom Wind bestimmte Richtung bei.

 

Wie gehen Haie, besonders die Grönlandhaie, mit den hohen Harnstoffkonzentrationen in ihrem Körper um?
Cathleen Holze, per E-Mail

Der chemische Cocktail, der in unserem Blut - und auch dem der meisten anderen Organismen - wirbelt, ist nicht nur aus Gutverträglichem zusammengemischt. Das Blut befördert neben Zucker, Hormonen und Sauerstoff auch die Abfallstoffe des Zellstoffwechsels. Daher haben die meisten Tiere und auch Haie eine körpereigene Entgiftungsstation, die Niere. Bei manchen Haien ist dies kein abgegrenztes Organ, sondern nur verteilte Gewebe, die diese Funktion wahrnehmen. Trotzdem enthalten viele Haie ein Gift in großer Menge in ihrem Körper: Harnstoff. Dieser zerlegt in zu hohen Konzentrationen wichtige Proteine. Dennoch können die Haie gut überleben, denn sie haben auch das Gegengift: Trimethylaminoxid, kurz TMAO. Die hohen Konzentrationen von Harnstoff und TMAO helfen ihnen, im Salzwasser zu überleben. Denn Wasser hat recht egalitären Charakter und versucht, Konzentrationsunterschiede auszugleichen - so auch zwischen dem salzigen Meerwasser und dem an sich etwas weniger salzhaltigen Haikörper. Der Hai braucht aber das Wasser, damit alle Körperfunktionen wie geschmiert laufen. Also gleicht er seine Gesamtsalzkonzentration mit Harnstoff und TMAO der Konzentration des Meerwassers an, und - voilà, das Wasser bleibt im Hai.

 

Wie regenerationsfähig sind eigentlich Seesterne?
Simone Nürnberger, per E-Mail

„Sich ein Bein ausreißen" ist bei Menschen eine Redensart. Seesterne und ihre Verwandten, die Feder-, Haar- und Schlangensterne, tun dies auch regelmäßig - um Feinden zu entkommen oder sogar auch, um sich zu vermehren. Denn die Stachelhäuter, wie die Gruppe inklusive der ebenfalls verwandten Seegurken und Seeigel heißt, können nicht nur verlorene Gliedmaßen, Stacheln und sogar Eingeweide neu wachsen lassen. Einige Arten nutzen ihre ausgeprägte Regenerationsfähigkeit durchaus auch, um Gebiete, in denen sie sich wohlfühlen, schnell mit vielen genetisch identischen Ablegern zu bevölkern. Sie lösen an Sollbruchstellen einen Arm oder auch mehrere ab. Diese wachsen dann im Lauf eines Jahres - wenn viel Nahrung zur Verfügung steht, auch schneller - zu einem kompletten Tier heran. Echinaster luzonicus treibt dieses Spiel so oft, dass kaum ein normales Tier mit fünf gleich langen Armen zu finden ist. Auch Larven teilen sich zum Teil schon, sodass die Zahl der Nachkommen eines Tieres nach der Eiablage noch einmal stark steigen kann. Da wundert es nicht, dass die Idee, Seesterne zu bekämpfen, indem man die gefangenen Tiere entzweischnitt und wieder ins Meer warf, nicht den gewünschten Erfolg brachte.

 

Wie kommt es, dass die Geschwindigkeiten auf See in Knoten angegeben werden?
Benjamin Ulshöfer, Pirmasens

Seemänner wissen: Ein Schiff, das einen Knoten Fahrt macht, legt eine Seemeile in einer Stunde zurück. Angegeben in Stundenkilometern - dem gebräuchlichsten Geschwindigkeitsmaß an Land -, entspricht ein Knoten 1,852 km/h. Geschwindigkeitsmaße geben die zurückgelegte Strecke innerhalb einer bestimmten Zeit an. Doch wie wählt und misst man die zurückgelegte Strecke eines Schiffes auf dem bewegten Meer - von Welle eins bis Welle sieben? Früher verwendete man dazu ein sogenanntes Logscheit, ein an einer Leine befestigtes Holzbrett. Dieses Brett wurde ins Wasser geworfen. Dann gab man so schnell Leine nach, dass das Brett möglichst an derselben Stelle auf dem Wasser blieb. Die Länge der Leine, die ausgegeben wurde, entsprach dann der zurückgelegten Strecke. Eine Messung betrug üblicherweise 14 Sekunden, gemessen mit einer Sanduhr, dem Logglas. In der Leine waren dann in einem Abstand von sieben Metern Knoten. So ergab die Anzahl der über Bord gegangenen Knoten umgerechnet die Geschwindigkeit des Schiffes in „Knoten". Moderne Geschwindigkeitsmesser an Schiffen benötigen natürlich keine Knoten mehr, doch als Maßeinheit sind sie nach wie vor gebräuchlich.

Antiker Schiffstacho - Brett ins Wasser, Leine raus, Logglas gucken, Knoten zähle.