Mitarbeitertipp April 2017

Dimitri Ladischensky, Redaktion Politik/Leben, empfiehlt mare No. 71 "Grönland"

Der britische Polarforscher George Strong Nares ließ im 19. Jahrhundert die Jacken seiner Männer hinten mit Bildern bemalen, damit sie auf ihrem Marsch die Augen vom eintönigen Weiß erholen konnten. Hätten sie doch einen Blick in mare-Heft No. 71 werfen können, dann hätten sie gesehen: Die Eiswüste schillert! Abends in Blau, morgens in Rosa. Je nach Tageszeit und je nach Betrachtungswinkel offenbart sie andere Farben.

Um Perspektiven geht es in unserem Grönlandheft, um Blickrichtungen und Sichtweisen, um das Verabsolutieren der eigenen und das Übersehen der anderen. Wäre Grönland ein Unternehmen, heißt es, hätte man es längst geschlossen. Zu viele Millionen steckt Dänemark jedes Jahr in die einstige Kolonie, um, ja was?, zu erhalten, das aus eigener Kraft nicht lebensfähig ist? Aus wirtschaftlicher Sicht machen die Gemeinden der Inuitjäger, oben am Polarkreis, keinen Sinn. Aber ist nur das Rentable wirklich lebendig und das Subventionierte eigentlich tot?

Ein Kapitalismus-Coach aus Kopenhagen will die Grönländer fit machen für die Zukunft. Er will die Inuit umschulen. Aber was hilft es einem Jäger, wenn er als Touristenführer mehr Geld verdient, aber kein Jäger mehr ist? Und was soll er mit einem Wort wie „Zukunft" anfangen, wenn es in seiner Kultur jahrhundertelang um das Überleben im Hier und Jetzt ging. Wenn es in einen Begriff gibt, der die Lebenseinstellung der Grönländer ausdrückt, dann ist es „immaqa". „Immaqa" ist Grönländisch und heißt „vielleicht".

Wer Grönland kennenlernen möchte, kann unser Heft über den Shop bestellen - oder er lässt sich auf ein Abenteuer ein. Vom 20. Mai bis 2. Juni 2017 gehen wir auf Expedition mit der "Cape Race", einem umgebauten Trawler. Lernen Sie hier unsere erste mare-Reise kennen.