mare No. 120

Aktuelles Heft

Aug 2017, No. 123

Weltumsegler
Wer sind sie? Und warum werden sie immer mehr?

Voice of peace
Wie ein Mann Frieden im Nahen Osten stiftete

ostsee
Was sie in der Tiefe verbirgt

Weltkarte

Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

nur die kurze Strecke vom Flughafen zur Hauptstadt war asphaltiert. Alle anderen Straßen des Landes glichen eher Pisten, und selten führten Brücken über Flüsse, sodass wir mit unserem VW Käfer öfters stecken blieben und uns vom Begleitfahrzeug, einem VW Bus, herausschleppen ließen. Wir schliefen in Turnhallen oder bei Bauern und wagten uns auf abenteuerlichen Pfaden auf Vulkane. Ich war zwölf Jahre alt, und mein Mathelehrer hatte mich mit einer Gruppe fremder Erwachsener für drei Wochen nach Island mitgenommen. Ich bin nie wieder dort gewesen, aber die Fotos meiner Kodak-Instamatic-Kamera helfen mir dabei, dass ich mich an fast jeden Tag erinnern mag. Es bleibt das größte Abenteuer meiner Jugend, und meine Sehnsucht nach dem Land der speienden Wasserfontänen, der brodelnden schwarz-gelben Böden, die nach Schwefeldioxid riechen, der weiten Heidelandschaften, der Kirchen mit Grasdächern oder der donnernden Wasserfälle blieb immer ungebrochen. Seither hat sich vieles verändert, auch die Straßen sind kommod befahrbar, aber die Natur ist so aufregend und archaisch wie eh und je.

Und so berichten wir in dem vorliegenden Heft nicht in erster Linie über touristische Highlights, sondern zeigen, was die Ursprünge dieser Landschaft sind. Heike Ollertz, die für mare schon den Island-Bildband fotografierte, fuhr weitere Wochen mit einem Geländewagen durch die gewaltige Natur. Wir danken Island ProTravel für die Unterstützung der Reise unserer Fotografin.

Die einsame Insel im Nordmeer litt lange unter dem Mangel an Frauen. Die Fischer waren auf See, niemand kümmerte sich um Land und Hof. Vor 70 Jahren wurden durch ein Landesprogramm junge deutsche Frauen angeworben, um in Island zu leben, nicht immer unter lauteren Vorwänden. Dimitri Ladischensky und Mathias Bothor besuchten drei dieser Aussiedlerinnen, die ihnen ihr Leben erzählten, das oft so rau und einsam war wie die umgebende Natur.

Dass Island und das Nordmeer immer eine Reise wert sind, davon sind wir bei mare so überzeugt, dass wir Ihnen erst­mals eine eigens für Sie entwickelte Expeditionsfahrt anbieten. Viele Jahre suchte ich nach dem geeigneten Schiff, dem perfekten Reisepartner. Mit der kleinen, wunderschönen „Cape Race", einem umgebauten Trawler, und dem sehr ambi­tionierten Anbieter Polar-Kreuzfahrten haben Sie nun (und bei größerer Nachfrage auch in Zukunft) die Möglichkeit, mit mare (und Mitgliedern der Redaktion) in See zu stechen und den Geheimnissen von Nordlichtern, Eisbergen, Walen und Robben auf eine außergewöhnliche Art zu begegnen.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen
Nikolaus Gelpke

 

Ein erster Blick

Wissenschaft

Gespaltenes Land

Text: Tim Schröder   Fotos: Heike Ollertz
Ein Land, zwei Kontinentalplatten – Island liegt auf einer riesigen, brüchigen Naht, die sich durch den gesamten Atlantik zieht. Sie lässt das Magma blubbern und die Geysire sprudeln.

Die Außerirdischen

Text: Tim Schröder   
Sie könnte eine Science-Fiction-Figur sein. Die Feuerwalze ist kein einzelnes Tier, sondern eine riesige Kolonie winziger Klone. Gruselig, aber wunderschön.

Die Grätchenfrage

Text: Till Hein   Fotos: Heidi und Hans-Jürgen Koch
Fischskelette sind nicht nur Wunderwerke der Natur. Sie können dabei helfen, die größten Rätsel der Menschheit zu lösen. Zum Beispiel die Frage nach der Krone der Schöpfung.

Kultur

Dem Retter sei Dank

Text: Jan Scherping   
Wenn Schiffe in Kirchen hängen, erzählen sie von Dramen auf hoher See.

Leben

Wagen heisst leben

Text: Peter Sandmeyer   
Der Forscher und Abenteurer Hauke Trinks ist tot, gestorben im Eis Spitzbergens. Sein Vermächtnis ist das alte Sprichwort: „Das Geheimnis des Glücks ist Freiheit. Das Geheimnis der Freiheit ist Mut“.

Es war einmal ein fernes Land

Text: Dimitri Ladischensky   Fotos: Mathias Bothor
„Arbeitskräfte für die Landwirtschaft gesucht, für ein Jahr, Kost und Logis frei.“ So lautete die Anzeige des isländischen Bauernverbands, die er in norddeutschen Zeitungen schaltete. Es führte zur ersten organisierten Einwanderung nach Island. 200 deutsche Frauen legten am 1. Juni 1949 in Hamburg ab, den weiten Himmel über sich, das zerbombte Deutschland hinter sich und Island vor sich. Was sie nicht wussten: Der Bauernverband wollte der Liebe eine Chance geben. Island brauchte Frauen.

König Knopf im Kummerland

Text: Alexander Kohlmann   
Die Kindergeschichte von „Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer“ ist komplexer, als es beim ersten Lesen erscheint. Michael Endes Fabel hat viel mit unserer gegenwärtigen Welt zu tun.

Sein eigenes Reich

Text: Lorenz Schröter   
Wenn der große Bruder Literaturnobelpreisträger ist, mag es schwer sein, sich dagegen zu behaupten. Leicester Hemingway hat es erst mit Schreiben versucht. Und dann einen Staat im Meer gegründet.

Notizen einer Landratte, 42.

Text: Maik Brandenburg   
Heute bemüht sich unser Kolumnist Maik Brandenburg um eine Korrektur des Wikingerbildes, kolportiert eine neuartige Schulspeisung in Skandinavien und fühlt sich … irgendwie umzingelt.

Politik

Die Frau der Fischer

Text: Dimitri Ladischensky   Fotos: Mathias Bothor
Sie ist das erste demokratisch gewählte weibliche Staatsoberhaupt der Welt – Vigdís Finnbogadóttir, von 1980 bis 1996 Islands Präsidentin. Im Gespräch mit mare erklärt die 86-Jährige, was Islands Frauen stark macht, welche Rolle das Meer dabei spielt und warum sie ihr Amt einem Trawler zu verdanken hat.

Freiheit für Plön und Plato

Text: Dirk Liesemer   
Ein ehrenwerter Hanseat? Der Hamburger Kaufmann Heinrich Carl von Schimmelmann wurde Mitte des 18. Jahrhunderts reich mit Zuckerrohrplantagen und Sklaven.

Die Insel des Syndikats

Text: Annett Heide   
Das organisierte Verbrechen Brasiliens kam nicht in Rio de Janeiro zur Welt, sondern auf einer Insel, in einer Strafanstalt. Im brasilianischen Alcatraz. Dabei leisteten politische Aktivisten Schützenhilfe.

Wirtschaft

Einer wird gewinnen

Text: Marlies Uken   Fotos: Jan Windszus
Viel zu viele Schiffe, zu wenig Fracht – unter Massengutreedern herrscht weltweit ein desaströser Dumping­wettbewerb. Nur einer trotzt der Krise: der schwäbische Reeder Thomas Pötzsch. Warum?

Traumland abgebrannt?

Text: Andri Snær Magnason   Fotos: Heike Ollertz
Wasserfälle, Flüsse, geothermische Landschaften – Isländer verwerten ihre Naturschätze zur Herstellung von billigem Strom für die Aluminiumindustrie. Aus aller Welt werden die Rohstoffe mit Frachtern nach Island verschifft, weil die energiefressende Verhüttung auf der Insel günstig ist. Aber wem nützt das? Und wer zahlt dafür? Ist die Natur Ressource oder Selbstzweck? Der isländische Schriftsteller Andri Snær Magnason erklärt, warum die Versuchung typisch für Island ist und der Finanzcrash ein Segen

Schüler lotsen Fischer

Text: Tim Schröder   
Mit ihrem Fischereikonzept haben fünf Jugendliche aus Kiel den „Young Economic Summit“ gewonnen. Darin fordern sie ein System von rotierenden Meeresschutzzonen. Wie praxistauglich ist es?

Kombüse

Eine Rose ist eine Sosse ist eine…

Text: Birgit Weidt   Fotos: Heidi und Hans-Jürgen Koch
Im Winter nicht zu kalt, im Sommer nicht zu heiß: Rosen lieben das Meer. Das brachte einen Schweinezüchter bei Husum auf die Idee zu einem Jobwechsel. Und zu Schollen mit Rosengelee.

Blaues Telefon

Wieso finden sich Seeohren so häufig in der Nähe von Seeigeln? Wann genau tauchten die ersten kom­ple­xeren Lebewesen im Meer auf? Woher kommt der typische Duft des Meeres?

Ausserdem

Hauke Trinks

Text: Peter Sandmeyer   
Peter Sandmeyer im Interview mit Hauke Trinks