Mitarbeitertipp Januar 2017

Tipp

Dirk Liesemer: Lexikon der Phantominseln

"Insgesamt ist es eine kurzweilige, unterhaltsame und nachdenklich stimmende Lektüre über Gier, Abenteuerlust und die Erforschung der Welt." Frankfurter Rundschau

Katharina Hierling, Volontärin im Lektorat, empfiehlt "Lexikon der Phantominseln" von Dirk Liesemer

An langweiligen Nachmittagen habe ich früher mit meinem besten Freund oft Schwimmen gespielt, das wahrscheinlich simpelste Kartenspiel der Welt. Drei Karten, drei Streichhölzer, drei Leben. Sind sie aufgebraucht, dann schwimmt man. Verliert man noch einmal, geht man unter. Um wenigstens ein Fünkchen Anspruch in das Spiel zu bringen, haben wir mit geschlossenen Augen auf eine beliebige Stelle im Atlas getippt und geguckt, wohin wir denn nun schwimmen. Heute weiß ich, dass wir unsere imaginierten Reisen vielleicht zu sehr auf die leichte Schulter genommen haben. Denn nur, weil etwas in einer Karte oder dem Diercke Weltatlas eingezeichnet ist, heißt das noch lange nicht, dass man auch wirklich dorthin gelangen kann.
Und dieses Wissen verdanke ich Dirk Liesemer. Sein Lexikon der Phantominseln erzählt von dreißig Inseln, die es niemals gab und die doch in den Weltkarten oder sogar bis vor Kurzem noch bei Google Earth zu finden waren. Die Geschichten dahinter sind abenteuerlich und oftmals unglaublich kurios. Denn wie die fingierten Inseln den Sprung in die Wirklichkeit geschafft haben, ist ganz unterschiedlich. Die Erklärungen reichen von Luftspiegelungen über Messfehler bis hin zu Huldigungen. Bei jeder einzelnen Geschichte aber merkt man, was für ein kluger und mitreißender Erzähler Dirk Liesemer ist.
Und hat man die Geheimnisse der „Inseln" schließlich alle aufgedeckt, bleibt einem immer noch, sich an der wunderbaren Aufmachung dieses Buches zu erfreuen. Für jede Insel, zu der es Material gibt, steuert Peter Palm, der mit seinen Zeichnungen schon so manches mare-Buch bereichert hat, eine Karte bei. Und als besondere Überraschung rate ich jedem Leser, einmal einen Blick unter den Schutzumschlag zu werfen ...
Sollte ich mich also demnächst mal wieder langweilen und eine Runde Schwimmen spielen, dann nur mit dem Lexikon der Phantominseln an meiner Seite, damit ich auch sicher ans Ziel komme. Und natürlich mit meinem ausgefransten Diercke Weltatlas, 2. Ausgabe, der grüne.