mare No. 119

Weltkarte

Editorlal

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

manchmal genügt Google nicht. Manchmal benötigt die Beantwortung einer Frage weiter gehende, aufwendigere Recherchen, einen längeren Artikel. Unser Privileg ist, dass wir als Redaktion auf fast jede uns selbst gestellte Frage mit beauftragten Beiträgen eine Erklärung erhalten. Zum Thema Tee verspürte ich eigentlich gar keinen Wissensdurst. Ich dachte, ich wüsste darüber genug. Was für ein Irrtum.

Seit zwei Jahrzehnten trinke ich morgens im Verlag als Erstes eine Tasse Earl Grey. Über die Namensherkunft hatte ich mir nie Gedanken gemacht. Ein Markenname von Twinings? Jetzt weiß ich, dass das Meer eine entscheidende Rolle dabei gespielt haben könnte. Und wo kommt bloß die Bergamotte her? Auch das erfuhr ich erstmals aus einem Manuskript für diese Ausgabe. Und dass Lipton nicht nur mit Tee zu tun hat, sondern mit einem Segelwettbewerb mit den USA. Und dass nicht in England der meiste Tee getrunken wird, sondern gerade eine gute Autostunde von unserem Redaktionssitz entfernt. Nach einem Interview mit dem Geschäftsführer eines der führenden Teehäuser Europas weiß ich jetzt auch, warum der beste Earl Grey der Welt aus Hamburg kommt. Und immer spielt das Meer eine entscheidende Rolle.

Eine gute Nachricht in eigener Sache: Nach jahrelanger Suche, vielen Gesprächen und Tests können wir von dieser Ausgabe an unser Magazin endlich in einer zertifizierten, kompostierbaren Bioschrumpffolie an unsere Abonnenten ausliefern. Alle bisherigen Alternativen schützten unser Heft nicht ausreichend oder erfüllten unsere Umweltansprüche nicht. Es ist kein ökologischer Meilenstein, aber wir sind sehr froh, dass wir nicht nur unseren, sondern auch den Forderungen vieler Abonnenten entsprechen können.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen
Nikolaus Gelpke

 

Ein erster Blick

Die mare-Reportage

Die Schwammcatcher

Auf der Ägäisinsel Kalymnos lebt die alte Tradition des Schwammtauchens fort. Es ist ein Geschäft mit großen Gefahren.
Von Peter Haffner und Francesco Zizola

Politik

Mein Haus, meine Sänfte, meine Muräne

Reiche Römer waren einst verrückt nach Muränen als Zierfische.
Von Nina Zschiesche

Die Bucht der versunkenen Hybris

Das Ende eines Traumes: Im Juni 1919 lässt die deutsche Admira­lität die Flotte des Kaisers in den Tiefen der Orkneys versenken.
Von Peter Sandmeyer

Kein Licht auf Eilean Mòr

Das ungelöste Rätsel des Verschwindens dreier Leuchtturmwärter auf den Flannan Isles ist zu einem schottischen Mythos geworden.
Von Lucien Deprijck und Claudia Lieb

Kombüse: Eine fabelhafte küche

Ein Schweizer widmet sich ganz dem Erhalt der Kochkunst auf der Atlantik­insel Santa Lemusa. Bloß, es gibt die Insel gar nicht.
Von Dirk Liesemer und Lukas Lienhard

Wirtschaft

Der Tee-Express

Die Rennen um die schnellste Teeverschiffung von Asien nach England waren ein Lieblingszeitvertreib der Londoner.
Von Bernd Flessner

Der Beste aller Verlierer

Sir Thomas Lipton war Teekönig, Handelsmagnat und ein großer Segelsportsmann. Auch in seinen schmerzlichsten Niederlagen.
Von Stefan Nink

Tee-Weltmeister

Kein Volk auf der Welt trinkt mehr Tee als die Ostfriesen. Unsere ostfriesische Autorin erzählt aus dem Teekästchen ihrer Familie.
Von Marlies Uken und Pascal Cloëtta

Die Adelsfrage

Ist Earl Grey nun der Erfinder des berühmten Tees oder doch nicht?
Von Martina Wimmer

Kultur

Der Herr der Bücherinsel

Auf einer kleinen indonesischen Insel verwirklicht ein Schriftsteller seinen Traum von literarischer Bildung für die Armen.
Von Holger Heimann und Muhammad Fadli 

Eins mit der Farbe

Eine Sternstunde der Kunst: Klees, Mackes und Moilliets Tunisreise.
Von Annette Steinich

Wissenschaft

Der wahre James Bond

Der US-Ornithologe James Bond wurde – ganz und gar unfreiwil­lig – zum Namensgeber für den berühmten Filmagenten „007“.
Von Stefan Nink

Kolumne: Notizen einer Landratte, No. 41

Heute erklärt unser Kolumnist Maik Brandenburg den kulturellen Zusammenhang zwischen Mensch und Knorpelfisch, sinniert über das Paarungsverhalten unter Einfluss von James Last und sieht eine innovative Nutzung von Volksmusik.

Wissenschaft

Das demokratische Prinzip

Text: Hauke Trinks   
Tief verwurzelte Urbedürfnisse der Lebewesen finden ihre Entsprechung auch in den Gesetzmäßigkeiten der unbelebten Materie. Ihr Zusammenspiel ist für die Entfaltung unserer Welt grundlegend.

Leben

So ein Glück

Text: Diana Laarz   Fotos: Fabian Weiss
Kihnu ist nicht nur die schönste, sie ist die fraulichste aller estnischen Inseln. Neun der zwölf Gasthöfe, vier der sechs Restaurants, die Post, die Bibliothek, das Gesundheitszentrum, der Inselchor, das Museum, das Sozialamt – das Leben der Insel ruht auf den Schultern der Frauen.

Wirtschaft

Blattgold

Text: Nikolaus Gelpke   
Der älteste Mieter in der Hamburger Speicherstadt und seit über 130 Jahren im Teegeschäft – ohne das Traditionshaus Hälssen & Lyon wäre Tee in der westlichen Welt wohl nie so populär geworden. Im Gespräch mit Geschäftsführer Dietmar Scheffler