mare No. 113

Aktuelles Heft

Dez 2016, No. 119

SCHWAMMTAUCHER
Und die Tiefe lockt noch immer

FRAUENINSEL
Hier regieren sie wirklich

EISBERGCOWBOYS
Die Jagd nach dem reinsten Wasser

Weltkarte

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

Verändern, Bewahren oder Ausgleichen sind Begriffe, die uns angehen, die uns relevant erscheinen. Bezogen auf die Meere und Ozeane, sind sie elementar für die Zukunft.

Auf den Meeren wird unser Klima gebildet, seien es Wirbelstürme, Regen- oder Dürreperioden. Fischerei und Aquakultur sind bestimmende Faktoren für die weltweite Ernährung. Erdöl und Erdgas aus der Tiefe, aber auch Strömungs- oder Gezeitenkraftwerke sichern unseren Energiebedarf. Die Containerschifffahrt ermöglicht globale Wirtschaftsströme. Immer mehr Wirksubstanzen für die Medizin werden aus Meeresorganismen gewonnen und Trinkwasser aus Salzwasser. Und nicht zuletzt sind die Ozeane unser wichtigster Erholungsraum.

Das alles ist gefährdet. Durch Versauerung und Erwärmung, Überfischung, Eutrophierung, Vermüllung oder Vergiftung. Inzwischen leben mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung in Küstennähe, fast drei Milliarden Menschen stehen im direkten Austausch mit den Ozeanen. Wir sehen uns einer unfassbar großen Aufgabe gegenüber: der gemeinsamen Erhaltung des blauen Lebenssystems. Und zwar längerfristig.

Die Erkenntnisse der Wissenschaft über die Meere sind noch immer rudimentär, aber sie reichen aus für die Planung einer nachhaltigen Vorgehensweise. Was oft noch fehlt, ist der politische Wille und vor allem die nötigen Strukturen. So gibt es über 600 verschiedene bi- und multilaterale staatliche Abkommen, jedoch keine gesamtheitliche Strategie. Nationale und internationale Instanzen sind kaum vorhanden. Die Politik folgt somit unweigerlich den Partikular-interessen der Wirtschaft und dient nicht dem Erhalt des Großen, des Ganzen.

Der neue „World Ocean Review 4" widmet sich dem nachhaltigen Umgang mit unseren Meeren, von der Idee bis zur Strategie. Er geht zuerst auf den Begriff der Nachhaltigkeit ein, er erklärt seine Herkunft und Entwicklung, zeigt die Systemleistungen der Meere auf und deren Gefährdung. Aber vor allem beschreibt er Lösungswege, die die Politik mit ihren Strukturen und Instanzen in den Mittelpunkt rückt.

In dieser mare-Ausgabe widmen wir dem „WOR" nur zwei Seiten. Aber ich möchte nicht versäumen, Sie auf diese nichtkommerzielle, kostenlos beziehbare Publikation aufmerksam zu machen. Prall gefüllt mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und von uns bei mare lesbar und erfahrbar aufbereitet. Für unsere gemeinsame Zukunft.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Nikolaus Gelpke

 

 

Ein erster Blick

Heftinhalt

Wissenschaft

Auf dem Glatteis des Südpols

Text: Frank Gerbert   
Er entdeckte 1820 den antarktischen Kontinent – und merkte es nicht. Eine neue Monografie beleuchtet die Tragik des deutschbaltischen Seefahrers Fabian Bellingshausen, eines großen Navigators, der einer falschen Theorie vertraut hatte.

Geliebter Bösewicht

Text: Brigitte Kramer   
Neunaugen sind blutsaugende „Vampirfische“ mit schlechtem Ruf. In Galicien aber werden sie geschätzt. Dort fängt und verzehrt man sie seit Römerzeiten – und feiert ihnen zu Ehren rauschende Feste.

Gebrauchsanweisung für das Meer

Text: Tim Schröder   
Vom Ertrag leben, nicht von der Substanz: Die Meere lassen sich nur retten, wenn es der Menschheit gelingt, sie nachhaltig zu nutzen. Der neue „World Ocean Review 4“ zeigt, wie es gehen könnte.

Kultur

Mit Jesus übers Meer

Text: Dietmar Falk   
Wenn Europas Seefahrer Neuland entdeckten, gaben sie ihm einen Namen. Größte Quelle der Inspiration war der christliche Kalender.

Georges Simenon

Text: Rob Kieffer   
Der Erfinder des Kommissars Maigret und seine durchaus erfüllte Liebe zum Meer.

Leben

Ein schönes Stück Israel

Text: Agnes Fazekas   
Der Gordon Pool an der Strandpromenade Tel Avivs war 50 Jahre lang für viele Menschen der Lebensmittelpunkt. Dann wurde er geschlossen. Die Schwimmer protestierten. Es folgte ein Politikum, das viel über Israel erzählt.

Form follows function

Text: Dimitri Ladischensky   
Totenschädel, zwei gekreuzte Knochen, schwarzes Tuch: So simpel, wie uns Abenteuerliteratur und Hollywood glauben lassen, waren Piratenflaggen nicht. Piraten waren Künstler, vor allem Vermarktungskünstler. Sie kreierten eigene Markenzeichen. Es ging um Wiedererkennung. Und um psychologische Kriegsführung. Eine kurze Designgeschichte der Piratenflagge.

Notizen einer Landratte, 35.

Text: Maik Brandenburg   Fotos: Pascal Cloëtta
Heute wundert sich unser Kolumnist Maik Brandenburg über die Unsterblichkeit des Aberglaubens sowie über den Sinn mancher seemännischer Rituale und klärt auf über den Begriff der „Bordschwalbe“.

Das zweite Logbuch

Text: Peter Sandmeyer   
Ohne Zwischenstopp um die Welt und als Erster im Ziel. Im Herbst 1968 stach Donald Crowhurst in England in See, um die Golden-Globe-Regatta zu gewinnen. Acht Monate später fand man sein Schiff, verlassen im Atlantik treibend. Die Geschichte eines unglaublichen Betrugsversuchs.

Politik

Der Abend der Kerzenesser

Text: Karl J. Spurzem   Fotos: Joakim Eskildsen
Kubas Revolution begann mit einer kleinen Yacht, der „Granma“. Seit sechs Jahrzehnten steht sie für die Ideale der Revolution. Was bedeutet ihr Mythos den Kubanern heute, an der Schwelle zu einer neuen Zeit?

Heiterkeit atmen

Text: Christian Schüle   
Ein Vorschlag zur Versöhnung eines zerrissenen Kontinents: das mediterrane Denken und die Besinnung auf das Meer als Geburtsort Europas.

Ein Engel am Drücker

Text: Mathias Zschaler   
Russland stationiert Raketen auf Kuba, die USA drohen mit einer Invasion. Am 27. Oktober 1962 spitzt sich die Kubakrise zu. Doch ein Mann behält die Nerven.
Die Spratly-Inseln sind nur einige Atolle, aber China und halb Südostasien wollen sie besitzen. Jetzt hat China eine Landebahn auf einer der Inseln gebaut. Der renommierte Seerechtsexperte Alexander Proelß über die brenzlige Situation im Südchinesischen Meer.

Als Nelson seinen "Touch" bekam

Text: Hans-Harald Schack   
Es ist der 21. Oktober 1805, kurz vor Mittag. An der Atlantikküste, am spanischen Kap Trafalgar, stehen sich zwei Flotten gegenüber. Der Verband der Briten, angeführt von Horatio Nelson, und die Schiffe der Franzosen und Spanier, mit Pierre de Villeneuve an der Spitze. Die berühmteste aller Seeschlachten steht bevor.

Wirtschaft

Die Leere von Sinai

Text: Marlies Uken   Fotos: Andrea & Magda
Bauruinen am Meer, Straßen, die im Nichts enden – seit Beginn der politischen Unruhen bleiben auf Ägyptens Sinaihalbinsel die Touristen aus. Und somit das Geld. Der mutmaßliche Terroranschlag auf ein Flugzeug mit russischen Urlaubern hat die Lage noch verschärft.

Kombüse

Studentenfutter

Text: Karen Naundorf   Fotos:
Eigentlich wird Curanto in Erdlöchern auf den patagonischen Chiloé-Inseln gegart. Doch einmal im Monat gibt es das Festtagsessen auch in der chilenischen Hauptstadt Santiago – für einen guten Zweck.

Blaues Telefon

Gibt es zu dem Begriff "Indonesian Throughflow" eine gängige deutsche Übersetzung? Wie werden eigentlich Küstenlängen vermessen? Stimmt es, dass Quallen weltweit in allen Meeren zunehmen?