mare No. 113

Aktuelles Heft

Aug 2016, No. 117

lifeguards
Leben und Retten in L. A.

Bitte lächeln, Fisch
Wie Kameras das Tauchen lernten

Giftiges Paradies
Italiens weißester Strand ist nichts als Chemie

Weltkarte

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

Verändern, Bewahren oder Ausgleichen sind Begriffe, die uns angehen, die uns relevant erscheinen. Bezogen auf die Meere und Ozeane, sind sie elementar für die Zukunft.

Auf den Meeren wird unser Klima gebildet, seien es Wirbelstürme, Regen- oder Dürreperioden. Fischerei und Aquakultur sind bestimmende Faktoren für die weltweite Ernährung. Erdöl und Erdgas aus der Tiefe, aber auch Strömungs- oder Gezeitenkraftwerke sichern unseren Energiebedarf. Die Containerschifffahrt ermöglicht globale Wirtschaftsströme. Immer mehr Wirksubstanzen für die Medizin werden aus Meeresorganismen gewonnen und Trinkwasser aus Salzwasser. Und nicht zuletzt sind die Ozeane unser wichtigster Erholungsraum.

Das alles ist gefährdet. Durch Versauerung und Erwärmung, Überfischung, Eutrophierung, Vermüllung oder Vergiftung. Inzwischen leben mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung in Küstennähe, fast drei Milliarden Menschen stehen im direkten Austausch mit den Ozeanen. Wir sehen uns einer unfassbar großen Aufgabe gegenüber: der gemeinsamen Erhaltung des blauen Lebenssystems. Und zwar längerfristig.

Die Erkenntnisse der Wissenschaft über die Meere sind noch immer rudimentär, aber sie reichen aus für die Planung einer nachhaltigen Vorgehensweise. Was oft noch fehlt, ist der politische Wille und vor allem die nötigen Strukturen. So gibt es über 600 verschiedene bi- und multilaterale staatliche Abkommen, jedoch keine gesamtheitliche Strategie. Nationale und internationale Instanzen sind kaum vorhanden. Die Politik folgt somit unweigerlich den Partikular-interessen der Wirtschaft und dient nicht dem Erhalt des Großen, des Ganzen.

Der neue „World Ocean Review 4" widmet sich dem nachhaltigen Umgang mit unseren Meeren, von der Idee bis zur Strategie. Er geht zuerst auf den Begriff der Nachhaltigkeit ein, er erklärt seine Herkunft und Entwicklung, zeigt die Systemleistungen der Meere auf und deren Gefährdung. Aber vor allem beschreibt er Lösungswege, die die Politik mit ihren Strukturen und Instanzen in den Mittelpunkt rückt.

In dieser mare-Ausgabe widmen wir dem „WOR" nur zwei Seiten. Aber ich möchte nicht versäumen, Sie auf diese nichtkommerzielle, kostenlos beziehbare Publikation aufmerksam zu machen. Prall gefüllt mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und von uns bei mare lesbar und erfahrbar aufbereitet. Für unsere gemeinsame Zukunft.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Nikolaus Gelpke

 

 

Ein erster Blick

Heftinhalt

Ein Engel am Drücker

In der Kubakrise im Oktober 1962 stand die Welt auf Messers Schneide. Ein russi­scher Seemann verhinderte den Weltkrieg.
Von Mathias Zschaler

Politik

Als Nelson seinen "Touch" bekam

Lord Nelsons Sieg in der Seeschlacht bei Trafalgar über Napoleons Marine begründete Englands Aufstieg zur Weltmacht.
Von Hans-Harald Schack

"Von dort geht eine Kriegsgefahr aus"

Der Kieler Seerechtler Prof. Alexander Proelß über den gegen­wärtigen Streit um die Spratley-Atolle im Südchinesischen Meer.
Ein Interview von Jan Keith

Essay: Heiterkeit atmen

Taugt Albert Camus’ Philosophie des „mittelmeerischen Denkens“ für ein neues europäisches Selbstverständnis?
Von Christian Schüle

Kombüse: Studentenfutter

Curanto, das Festessen der Chiloé-Inseln in Patagonien, ist all­monatlicher Höhepunkt in einem Restaurant in Chiles Hauptstadt.
Von Karen Naundorf und Tomás Munita

Gebrauchsanweisung für das Meer

Der neue „World Ocean Review 4“ widmet sich ganz dem Konzept der Starken Nachhaltigkeit zur Rettung der Meere.
Von Tim Schröder

Geliebter Bösewicht

Das blutsaugende Meerneunauge ist im spanischen Galicien eine belieb­te Delikatesse. Sogar ein Fest ist ihm zu Ehren gewidmet.
Von Brigitte Kramer

Kultur

Mit Jesus übers Meer

Der christliche Jahreskalender lieferte Seefahrern die Namen für ihre Entdeckungen in aller Welt.
Von Dietmar Falk

Simenon – Der Erfinder des Kommissars Maigret und seine durchaus erfüllte Liebe zum Meer

Die Bücher des belgischen Autors gehören zu den meistgelesenen der Welt, vor allem die "Maigret"-Kriminalromane. Seine größte ­Leidenschaft galt aber der Seefahrt und den Frauen.
Von Rob Kieffer

Wirtschaft

Die Leere von Sinai

Seit dem Beginn der Terroranschläge des Islamischen Staates auf dem Sinai stehen milliardenschwere Tourismusregionen am Roten Meer vor dem Ende. Welche Folgen hat das für Ägypten?
Von Marlies Uken und Andrea & Magda

Form Follows Function

Piraten und Kaperfahrer waren knallharte Bosse der organisierten Kriminalität. Ihre Flaggen machten sie zu Marken­zeichen, die Wieder­erkennungswert besaßen.
Von Dimitri Ladischensky

Kolumne: Notizen einer Landratte No. 35

Heute wundert sich unser Kolumnist Maik Brandenburg über die Unsterblichkeit des Aberglaubens sowie über den Sinn mancher seemännischer Rituale und klärt auf über den Begriff der „Bordschwalbe“.

Wissenschaft

Auf dem Glatteis des Südpols

Text: Frank Gerbert   
Er entdeckte 1820 den antarktischen Kontinent – und merkte es nicht. Eine neue Monografie beleuchtet die Tragik des deutschbaltischen Seefahrers Fabian Bellingshausen, eines großen Navigators, der einer falschen Theorie vertraut hatte.

Leben

Das zweite Logbuch

Text: Peter Sandmeyer   
Ohne Zwischenstopp um die Welt und als Erster im Ziel. Im Herbst 1968 stach Donald Crowhurst in England in See, um die Golden-Globe-Regatta zu gewinnen. Acht Monate später fand man sein Schiff, verlassen im Atlantik treibend. Die Geschichte eines unglaublichen Betrugsversuchs.

Ein schönes Stück Israel

Text: Agnes Fazekas   
Der Gordon Pool an der Strandpromenade Tel Avivs war 50 Jahre lang für viele Menschen der Lebensmittelpunkt. Dann wurde er geschlossen. Die Schwimmer protestierten. Es folgte ein Politikum, das viel über Israel erzählt.

Notizen einer Landratte, 35.

Text: Maik Brandenburg   Fotos: Pascal Cloëtta
Heute wundert sich unser Kolumnist Maik Brandenburg über die Unsterblichkeit des Aberglaubens sowie über den Sinn mancher seemännischer Rituale und klärt auf über den Begriff der „Bordschwalbe“.

Politik

Der Abend der Kerzenesser

Text: Karl J. Spurzem   Fotos: Joakim Eskildsen
Kubas Revolution begann mit einer kleinen Yacht, der „Granma“. Seit sechs Jahrzehnten steht sie für die Ideale der Revolution. Was bedeutet ihr Mythos den Kubanern heute, an der Schwelle zu einer neuen Zeit?

Blaues Telefon

Gibt es zu dem Begriff "Indonesian Throughflow" eine gängige deutsche Übersetzung? Wie werden eigentlich Küstenlängen vermessen? Stimmt es, dass Quallen weltweit in allen Meeren zunehmen?