mare No. 105

Aktuelles Heft

Aug 2016, No. 117

lifeguards
Leben und Retten in L. A.

Bitte lächeln, Fisch
Wie Kameras das Tauchen lernten

Giftiges Paradies
Italiens weißester Strand ist nichts als Chemie

Weltkarte

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

bei Thomas Mann und im wirklichen Leben ist Davos, in den Bergen Graubündens, Zuflucht für Menschen mit Allergien und Atemwegsbeschwerden. Die hohe UV-Strahlung, viele Windtage und die Höhe über dem Meeresspiegel sorgen für allergen- und schadstoffarme Luft. Sankt Peter-Ording hingegen ist als Kurort nicht ganz so berühmt. Aber der kleine Ort an der Nordsee hat gegenüber dem Zauberberg einen entscheidenden Vorteil: das Meer. An der Küste sorgen starke Winde von See her und eine ebenfalls hohe UV-Strahlung für eine ähnlich geringe Pollen- und Schadstoffbelastung wie in Davos. Hinzu aber kommen die Aerosole - entstehend aus der Gischt der Brandung -, ein Gemisch aus festen und flüssigen kleinsten Partikeln. Sie enthalten Jod, Magnesium und Salz, lagern sich beim Einatmen in den Lungenbläschen ab und fördern den Schleimabtransport. Eine Form von Dauerinhalation. Und Inhalieren müssen Emma und Sophie ihr kurzes Leben lang. Die Geschwister leiden an der tödlichen Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose, die neben anderem zu schwerster Atemnot führt. Die beiden Mädchen werden am Meer zwar nicht gesund. Aber sie und ihre Mutter Magda finden dort Momente des Glückes, Momente eines normalen Lebens (Seite 10).

Ihr gesundes Leben setzen Thies Matzen und Kicki Ericson nicht aufs Spiel. Aber wer 26 Monate, demnach auch im Winter, auf einem kleinen, alten Holzsegelboot bei der antarktischen Insel Südgeorgien ausharrt, braucht neben viel Mut auch die Fähigkeit, mit sich und der Natur zufrieden zu sein. Von Seite 38 an stellen wir Ihnen unseren diesjährigen Bildband vor. Mit Fotografien und Texten von mehr als zwei Jahren Leben in der antarktischen Wildnis.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen
Nikolaus Gelpke

 

Ein erster Blick

Heftinhalt

Kultur

Ingmar Bergman auf der Insel Fårö

Text: Holger Wolandt   
Schwedens bedeutendster Regisseur drehte sieben Filme auf einer kleinen Ostseeinsel. Fårö verkörpert das, was Bergman liebte und brauchte: Landschaft und Schweigen.

Indiana Jones der Weltmeere

Text: Geert Schmelzer   Fotos: Nicole Strasser
In den fantastischen Thrillern des amerikanischen Bestsellerautors Clive Cussler greifen die Bösen nach der Weltherrschaft. Natürlich gewinnen immer die Guten. Die eigentliche Hauptrolle aber spielt das Meer.

Die tropische Wärme des Champagners

Text: Frank Gerbert   
Erzherzog Franz Ferdinands Reise um die Welt.

Leben

Platz da!

Text: Justus Krüger   Fotos: Mathias Bothor
Eingezwängt zwischen Festlandchina und Meer – wer in Hongkong lebt, muss mit wenig Raum auskommen. Es sei denn, er ist superreich.

Emmi und Soschka

Text: Dimitri Ladischensky   Fotos: Joanna Nottebrock
Magda ist Mutter zweier Töchter, Emma und Sophie. Beide haben Mukoviszidose, eine unheilbare, tödliche Erbkrankheit. Als Emma fast stirbt, findet sie einen Weg. Sie zieht ans Meer.

Notizen einer Landratte, 27.

Text: Maik Brandenburg   
In dieser Folge schaut unser Kolumnist Maik Brandenburg in die Zukunft: Er nimmt uns die Sorge vor den Folgen des Plastikmülls in den Meeren, sieht das Nahrungsproblem der Menschheit gelöst und prophezeit das Ende von Holz.

Die Erfindung des Paradieses

Text: Ursula Daus   
Bis weit ins 20. Jahrhundert blieben die Inselwelten des Indischen Ozeans von Zeitläufen unberührt. Eben dies macht sie heute zu luxuriösen Destinationen, allerdings zu einem hohen Preis.

Die Anglerin von der Galatabrücke

Text: Mirjam Schmitt   Fotos: Sonja Hamad
Der Bosporus ist fischreich, und Istanbul bietet den besten Angelplatz: die Galatabrücke am Goldenen Horn. Alle, die hier fischen, sind Männer. Bis auf Hafize Tahal.

Lass uns auf Südgeorgien heiraten

Text: Dimitri Ladischensky   Fotos: Thies Matzen
Das deutsch-schwedische Ehepaar Thies Matzen und Kicki Ericson lebt seit 25 Jahren auf einem neun Meter langen Segelboot, der „Wanderer III“. Nichts hat einen solchen Eindruck hinterlassen wie ein windgepeitschtes, subantarktisches Eiland, dessen Landschaften sie jetzt im neuen mare-Bildband zeigen: Südgeorgien. Im Interview erzählen die beiden Freigeister über ihre Liebe zu der Insel, eine Hochzeit und 26 Monate mit einem magischen Teppich von Tieren.

Wirtschaft

Stadt im Rausch

Text: Ronald Düker   
Dass Hongkong sich zu einem potenten Wirtschaftsort entwickeln konnte, erstaunt angesichts der brutalen Kolonialgeschichte. Denn beinahe hätte das Opium die Stadt für immer zerstört.

Die fetten Jahre sind vorbei

Text: Marlies Uken   
Deutschlands Fischer verdienten früher gut mit Miesmuscheln. Die Zeiten sind vorbei. Heute versuchen sie, mit teuren Zuchtanlagen den Niedergang abzuwenden.

Kombüse

Die Oevenumer Reimeküche

Text: Karl J. Spurzem   Fotos: Heike Ollertz
Jörn Sternhagen, Koch auf der Nordseeinsel Föhr, ist von allen Musen geküsst. Jeden Mittwoch liest er den Gästen seine Gedichte vor.

Blaues Telefon

Gibt es Unterschiede in der Bildung von Bogen-, Ästuar-, Ingressions- und Sedimentationsdeltas? Wurde einmal beobachtet, wie Tiefseebewohner in heiße Quellen geraten? Welche Bedeutung haben die Farben der deutschen Forschungsschiffe?