mare No. 98

Aktuelles Heft

Jun 2016, No. 116

TSUNAMIS IN EUROPA
Die unterschätzte Welle

Fisherman's Friend
Tony, Doreen und ihr Weltkonzern

Meeresgladiatoren
Roms blutige Wasserspiele

Weltkarte

Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser

Tauchern wie mir gelten die Malediven als Versprechen eines glücklichen Urlaubs. Doch als Jugendlicher und Student waren die Inseln für mich finanziell unerreichbar. So blieb die Möglichkeit, einmal in tropischen Gewässern zu tauchen, viele Jahre lang ein Traum. Und dann kam die Diktatur. Kaum in deutschen Medien wahrgenommen und von Touristen ignoriert, herrschte mehr als drei Jahrzehnte Maumoon Abdul Gayoom autoritär über die 1196 Inseln im Indischen Ozean. Für mich war es unter diesen Umständen demnach weiterhin unmöglich, dort Ferien zu machen. mare berichtete ausführlich in seiner Ausgabe No. 64 im Oktober 2007 über die Repressalien.

Doch 2008 wurde zum ersten Mal demokratisch ein Präsident gewählt, Mohamed Nasheed. Dreieinhalb Jahre später, im Frühjahr 2012, tauchte ich mit Mantas um die Wette. Aber schon nach einer Woche endete mein unschuldiges Inselglück. Von einem Tag auf den anderen wich das Lächeln aus den Gesichtern der Einheimischen, und mit finsteren Augen berichteten sie über den Putsch, der sich gerade ereignete. Nasheed musste unter größtem Druck zurücktreten und wurde unter Arrest gestellt. Dem alten Regime waren unter anderem seine Pläne, auch die reichen Clans zu besteuern, zu weit gegangen.

Seit mehr als einem Jahr nun ist die junge Demokratie ausgesetzt. Die Menschen im Land aber versichern, dass der Keim der Freiheit nicht mehr vergessen wird. In der vorliegenden Ausgabe führt der bangladeschische Menschenrechtsaktivist Shahidul Alam ein Gespräch mit Mohamed Nasheed - über die politische Zukunft der Malediven und über die Entwicklung der benachbarten Küstenregion am Indischen Ozean. Zwei betroffene und engagierte Menschen, die zeigen, wie fragil, aber auch wie wichtig eine demokratische Entwicklung in diesem Teil der Welt ist.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Nikolaus Gelpke

 

Ein Blick ins Heft

Artikel in Auszügen

Wissenschaft

Die Wolkenwasser der Bimbachen

Text: Brigitte Kramer   
Im Bergland der Kanareninsel El Hierro regnet es unter den Bäumen. Es ist das Kondensat des Passatnebels an ihren Blättern. Die Ureinwohner wussten das klug zu nutzen.

Still und starr ruht die See

Text: Peter Sandmeyer   
Die Gebiete um den 30. Grad nördlicher wie südlicher Breite, Rossbreiten genannt, sind bei Seglern gefürchtet. Denn dort herrscht Dauerflaute, was vielen Seefahrern schon zum Verhängnis wurde.

Allein im Atlantik

Text: Judith Scholter   Fotos: Roberto Dutesco
Eine baumlose Insel vor Kanadas Küste, und nirgends ein Schutz vor Stürmen – das ist das Revier der Pferde von Sable Island. Abgeschieden vom Rest der Welt, kämpfen sie hier seit Jahrhunderten um ihr Überleben

Kultur

Die Nordostseewelle

Text: Claus Stephan Rehfeld    
Jeder, der an der deutschen Küste ein Schifferklavier halten kann, hat das „Friesenlied“ im Repertoire. Doch was die Menschen an der Nordsee für den Inbegriff des Heimatschlagers halten, ist in Wahrheit das Produkt einer weiten Reise: von Zingst nach Berlin über Zürich hinaus in die Welt.

Himmelskönig, Strandpoet

Text: Jens Rosteck   
Die erwachende Liebe der französischen Bourgeoisie zum Meer animiert den Maler Eugène Boudin um 1860 zu einer neuen Sprache in der Freilichtmalerei. So wird er zum Erfinder des Strandbilds ebenso wie zum Wegbereiter des Impressionismus.

Leben

Die Liebesbande

Text: Stella Bettermann   Fotos: Davide Monteleone
Touristenmädchen aus Nord- und Mitteleuropa suchten Wärme, einheimische Jungs waren zu allem bereit. Auf der griechischen Insel Rhodos gaben sich die hübschen Aufreißer in den siebziger Jahren selbst einen Namen: kamakia, Harpunen. Sie schwelgen noch heute in Erinnerung an ihre wilde Zeit.

Turm, Pferd, Dame

Text: Holger Kreitling   
Sie fesselten die Zuschauer mit ihren Sprüngen in Wasserbecken. Diving Horses fanden ihre Bühne dort, wo Kängurus boxten, Bären tanzten und Rex der Wunderhund Wasserski fuhr: in Atlantic City, New Jersey. Vor einem Jahr gab es den Versuch, die Show wiederzubeleben.

Notizen einer Landratte, 21.

Text: Maik Brandenburg   
Zum wiederholten Mal verspürte unser Kolumnist Maik Brandenburg ein gutes Gefühl an Bord eines Schiffes, was andererseits aber Phantasmagorien über sein dermaleinstiges Freizeitvergnügen als Rentner erregte.

Watt für ein Vergnügen

Text: Silke Burmester   Fotos: Florian Manz
Alljährlich jagen Pferde samt Jockeys durchs Watt vor Cuxhaven. Ein solches Rennen gibt es sonst nirgends auf der Welt.

Politik

Nun lasst uns handeln

Text: Claus Leggewie   
Die Eingriffe des Menschen schaden den Ozeanen spürbar. Damit sie zukünftigen Generationen noch dienlich sein können, braucht es jetzt eine kluge Regierung der Meere.

Im Dienst der Wahrheiten

Text: Brigitte Kramer   
Seefahrende Heerführer und Kirchenmänner haben in wortgewaltigen Chroniken die Gräuel der Eroberung Lateinamerikas dokumentiert. Mit einer Erzählform, die noch heutige Autoren prägt.
Mohamed Nasheed, erster frei gewählter Präsident der Malediven, wurde vor einem Jahr von einer einflussreichen Oligarchenclique aus dem Amt gedrängt. Seither kämpft der Meereswissenschaftler und Menschenrechtler um die Demokratie in dem autoritär regierten Inselstaat und in dessen Nachbarländern.

Wirtschaft

Ganz schön ruinös

Text: Till Briegleb   
Zu wenige Gäste, zu teurer Betrieb – das insolvente „Grand Hotel Heiligendamm“ ging in seiner Geschichte ElfMal in Konkurs. Erstaunlich, dass es noch immer existiert.

Kombüse

Schnecken mit Schrecken

Text: Peter Haffner   Fotos: Serge Hoeltschi
Abalonen, Meeresschnecken, sind ein Schmaus für den, der weder Mühe noch Gefahr scheut. Ein Bericht aus der Van-Damme-Bucht bei San Francisco, dort, wo der Weiße Hai wohnt.

Blaues Telefon

Welchen Wert haben Meeresschutzgebiete wie das bei Abra de Ilog auf der philippinischen Insel Mindoro für die Regenerierung von Fischgründen? Wie viel Wasser unter dem Kiel muss ein Schiff in Fahrt mindestens haben, um Grundberührung zu vermeiden? Gibt es Frösche, die im Meer leben?