Sonderheft Hamburg

Aktuelles Heft

Dez 2016, No. 119

SCHWAMMTAUCHER
Und die Tiefe lockt noch immer

FRAUENINSEL
Hier regieren sie wirklich

EISBERGCOWBOYS
Die Jagd nach dem reinsten Wasser

Weltkarte

Liebe Leserin, liebe Leser

es war ein einmaliger Tag, aber auch eine unvergessliche Nacht. Am 22. Juni 1995 fuhren wir laut singend und überschäumend vor Selbstvertrauen vom Rolling-Stones-Konzert in Hannover zurück nach Kiel. Die Nachricht vom wegen eines Lkw-Brandes gesperrten Elbtunnel ließ uns eine Fahrtroute weiter östlich wählen. Wir wollten uns irgendwie zu den Elbbrücken durchschlagen, der zweiten und letzten Möglichkeit, um nach Norden zu gelangen. Damals, noch ohne Smartphone oder Navigationsgerät, offensichtlich eine Überforderung für euphorische und müde Konzertbesucher. Ölhafen, Steinwerder, Kleiner Grasbrook, Altenwerder, Moorburg – Namen, die immer und immer wieder auftauchten. Wir fuhren im Hafen und auf den Elbinseln im Kreis. Und überall stand unüberbrückbares Wasser im Weg. Erst nach Stunden fanden wir glücklich eine Brücke in die Stadt, raus aus diesem Teil Hamburgs, den man kaum jemals besucht und der uns unmissverständlich klarmachte: Diese Stadt ist dominiert von einem riesigen Hafen.


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Auch nördlich der Elbe ist Hamburg von Meer und Hafen geprägt. Seit Jahrhunderten weisen die Reedereien Politik, Gesellschaft und Architektur der Stadt den Weg. Reeder waren und sind keine scheuen, kalt kalkulierenden Handelsleute. Vielmehr wussten sie schon vor 250 Jahren, was Chinas Wirtschaft bietet und benötigt, fuhren durch ungewisses Wetter exotische Güter, mit dem Vertrauen auf den Bedarf in der Heimat. Die erfolgreichen und selbstbewussten Reeder errichteten stadtprägende Bauten, schenkten der Gemeinde Museen, Konzerthäuser, bauten legendäre Hotels oder wurden Bürgermeister.

In diesem Sonderheft von mare zeigen wir Ihnen nicht einfach die maritimen Seiten Hamburgs. Sie ist an sich so sehr durchdrungen vom Geist der Ozeane, dass man nur mit einem Blick wie unserem die Hansestadt begreifen kann.

Viel Spaß beim Lesen!

Ihre mare-Crew

 

Ein Blick ins Heft

Artikel in Auszügen

Promenade

Beobachtungen in der Stadt am Hafen

Durch Zeit und Raum

Kaum ein Ort verdeutlicht besser Hamburgs Wandel als sein Hafen. Eine Bildergeschichte aus zwei Jahrhunderten.

Höher, schneller, Hamburg

In Hamburg liebt man Zahlen und Fakten. Manche davon sind auch für Besucher der Stadt interessant.

Von Schiffers Hand erbaut

Ob Politik und Wirtschaft, ob Kultur und Städtebau – keine andere gesellschaftliche Gruppe hat Hamburgs Geschichte und ihr Antlitz stärker beeinflusst als die Reeder und ihre Familien. Jahrhundertelang prägten sie die Stadt, und für 150 Jahre hatten sie unumschränkt das Sagen.
Von Emanuel Eckardt und Jan Windszus

Hamburg untendurch

Juwel der Technikgeschichte und Industriearchitektur, romantischer Touristenspot – der Alte Elbtunnel ist nicht bloß eine Röhre.
Von Bernd Flessner

Der Sisyphos von Blankenese

Niemand kennt die Schiffe, die in Hamburg ein- und auslaufen, besser als Thomas Kunadt. Mit der Energie der Obsession dokumentiert er die Schifffahrt per Kamera und Datenbank.
Von Lorenz Wagner und Stefan Pielow

Fang!Den!Schmuggler!

Vor 30 Jahren zog es Deutschlands Fernsehvolk vor die TV-Geräte, wenn Zollamtsrat Zaluskowski Schmuggler im Hafen jagte. Die Serie könnte man fortsetzen; Drehbuchideen weiß mare genug.
Von Jan Keith und Gerhard Waldherr; Illustration: Mario Wagner

Wo die Kreuze ankern

Einer der stimmungsvollsten Plätze in der Stadt ist der Friedhof der Seeleute in Ohlsdorf, auf dem größten Parkfriedhof der Welt.
Von Emanuel Eckardt und Sirio Magnabosco

Grosse Auftritte, kleine Abgänge

Ein Grandhotel als Symbol für die Seemachtsträume des Wilhelminischen Reiches. Das „Atlantic“ war Anfangs- und Endetappe der Transatlantiküberquerungen reicher Reisender.
Von Peter Sandmeyer

Schaulauf im Rotlicht

Die Reeperbahn: ein Sex-Disneyland voller Verruchtheitskitsch? Oder doch ein Vergnügungsviertel mit Broadway-Potenzial? Wie auch immer: Die, die hier leben, scheinen hier gern zu leben.
Von Lorenz Wagner und Stefan Pielow

Alte Seepferde

Eine Kurzgeschichte
Von Clemens Meyer; Illustrationen von Florian Weiß

Grünkohl und Chopsuey

Mit den Tee- und Gewürzschiffen kamen viele Chinesen in Hamburg an, nicht wenige von ihnen blieben. Sie überstanden Kriege und Verfolgung in den Hafenvierteln. Heute bilden ihre Nachkommen und Neuankömmlinge die größte chinesiche Gemeinschaft in Europa. Wie lebt es sich für sie hier?
Von Ariane Heimbach und Jan Windszus

Die Stunde der Quastenflosser

Vor mehr als 200 Jahren gründete sich in Hamburg der Verein der Hamburger Frachtversicherer. Seither treffen sie sich an jedem Werktag Punkt 13 Ugr in ihrer Börse hinter dem Rathaus zum Branchenklatsch und -tratsch und handfesten Versicherungsgeschäften. Neben den Börsianern von London und Rotterdam sind sie die letzten ihrer Art.
Von Peter Sandmeier und Stefan Pielow

Pesos für die Sklavenjäger

Hunderte Hamburger Seeleute geraten seit dem 17. Jahrhundert durch die Korsaren, nordafrikanisch Piraten, in Sklaverei. Erst eine Sklavenkasse, in die alle Seeleute einzahlen, macht ihrem Freikauf durch Lösegeldzahlungen möglich.
Von Geert Schmelzer

Im Hafen (nichts) neues

Die Monotonie der Architektur des "Jahrhundertprojektes" HafenCity reizt die Kritiker zu Verissen, die Beliebthteit bei Bewohnern und Touristen ist dagegen ungebrochen. Gedanken über Archiktenzoo und Identitätsverlust.
Till Briegleb

Twieten, Elsen, Möweneier

Hamburg hat – so wie jede große Stadt – seine eigenen ungeschriebenen Regeln und geheimen Codes. Eine kurze Einführung in hamburgische Wesenhaftigkeiten.
Von Silke Burmester; mit Illustrationen von Pascal Cloetta

Die Flut im Nacken

Die Elbinsel Wilhelmsburg, Hamburgs größter Stadtteil, ist im Wandel. Stadtplaner wollen aus der Mauerblume ein hippes Viertel für Junge und Kreative machen. Ein Problem: Wilhelmsburg ist stets von Sturmfluten aus der Nordsee bedroht. In der Sturmflutnacht im Februar 1962 starben 315 Menschen.
Von Astrid Langer, Florian Zinnecker und Jan Windszus

Hamburg, meine Perlen

Hamburger zieht es nicht immer nur aufs Wasser. Wie echte Wasserratten fühlen sie sich auch an Land wohl. Einige Lieblingplätze, so terrestrisch wie einnehmend.
Von Gabriele Meister, Stephan Knieps und Gunter Glücklich

mare-Tipps Hamburg

Die besten Adressen der Stadt aus der mare-Redaktion.