mare No. 88

Aktuelles Heft

Aug 2016, No. 117

lifeguards
Leben und Retten in L. A.

Bitte lächeln, Fisch
Wie Kameras das Tauchen lernten

Giftiges Paradies
Italiens weißester Strand ist nichts als Chemie

Weltkarte

Editorial

Liebe Leserin, liebe Leser,

„Christoph Kolumbus entdeckte Amerika." Diese scheinbar allgemeingültige Aussage stimmt in zweierlei Hinsicht nicht. Denn erstens war Amerika schon seit 50 000 Jahren von Indianern bewohnt, die über die damalige Landenge von Asien her übersiedelten - die „Entdeckung" war und ist eine rein eurozentrische Sichtweise -, und zweitens betrat der erste Europäer Nordamerika schon gut 500 Jahre vor Kolumbus um 1000 nach Christus.
Dass die Wikinger nicht nur als erste Europäer nach Nordamerika fuhren, sondern auch dem russischen Reich seinen Namen gaben und wie sie über Hunderte Jahre Europa vom Norden bis nach Byzanz beherrschten, lesen Sie außerdem in dieser Ausgabe.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen
Nikolaus Gelpke

 

Ein Blick ins Heft

Artikel in Auszügen

Wissenschaft

Tunnelblicker

Text: Bernd Flessner   
Es war ein verwegener Plan, der die Fantasien beflügelte: Vor 100 Jahren wollten Visionäre eine befahrbare Röhre durch den Atlantik bauen. Bis heute glauben manche Ingenieure an die Machbarkeit.

Geirmundr Höllenhaut und das Internet des Jahres 1000

Text: Till Hein   Fotos: Christian Schneider
„Wie reißende Wölfe fielen sie über das Abendland her.“ So berichten Chronisten über die Wikinger. Doch die Raubmörder und Plünderer unter ihnen waren eine Minderheit. Vor allem brillierten die Nordmänner als Schiffbauer, Händler und Entdecker. Sie erreichten Amerika, Russland, Byzanz. Und die Gründung einer Art frühmittelalterlichen Hanse machte sie zu gewieften Netzwerkern und damit zu Pionieren der Globalisierung.

Hägars Haplogruppe

Text: Till Hein   
Unser Autor begibt sich auf die windige Reise der Ahnenforschung. Eine Schweizer Firma verspricht die Herkunftsanalyse per DNA-Test und die Klärung der Frage „Sind Sie ein Wikinger?“

Kultur

Attackiert das Imperium!

Text: Dirk Liesemer   Fotos: Jan Windszus
Ruppe Koselleck hat Großes vor: Er betreibt die feindliche Übernahme von British Petroleum. Das tut er nicht mit Gewalt, sondern mit Kunst.

Operation Hornochse

Text: Till Hein   
Als Richard Wagner in Bayreuth den Wikinger-Hörnerhelm aus dem Hut zauberte und nordische Barbaren zu Vorzeigeteutonen erhob, schuf er die Mythenbilder des deutschen Chauvinismus.

Kreuzen im Theatermeer

Text: Alexander Kohlmann   
Ob auf Bühnen oder Luxusdampfern – nur an Orten, die so unberechenbar sind wie die Kunst und die See, blühen jene Mythen, die in unseren prosaischen Zeiten so gern verleugnet werden.

Seifenoper unter Vollzeug

Text: Emanuel Eckardt   
Die Götterwelt der Wikinger war ausgesprochen menschlich. Es herrschten Intrigen und Affären, Lügen und Täuschung, Mord und Totschlag. Hohe Wellen schlug vor allem der Meeresgott Njörd.

Im Rhythmus der Stille

Text: Sky Nonhoff   
François de Roubaix gilt als einer der größten Filmkomponisten Frankreichs. Seine Liebe zum Tauchen war legendär. Sie wurde ihm zum Verhängnis.

Meertropolis

Text: Karl J. Spurzem   Fotos: Stefan Pielow, Paolo Pellegrin
New York ist eine Meeresstadt. Aber für gewöhnlich sehen wir die Metropole nicht von ihrer Wasserseite. Für den neuen mare-Bildband fanden zwei meisterhafte Fotografen ungekannte Ansichten von New York und den New Yorkern.

Leben

Turm und Drang

Fotos: Sergio Ramazzotti
Er ist das Erste, was Seeleute sehen, wenn sie von einer langen Seereise heimkehren. Auch oder gerade im Zeitalter der Satellitennavigation: Die Seeleute brauchen etwas, das ein Herz in seinem Inneren hat – und das GPS hat es nicht. Eine der Antworten der Leuchtturmwärter auf die Frage, warum sie ihren Beruf ergriffen haben.

Notizen einer Landratte, 11.

Text: Maik Brandenburg   
Heute bereitet unser Kolumnist Maik Brandenburg uns vor auf die Herrschaft der Kraken, will unsere Neugier mit der Verwendung des Begriffs „Revolverherz“ kitzeln und denkt nach über Frikassee.

"Zu Hause ist, wo das Boot ist"

Text: Jill Dickin Schinas   Fotos: Anja Lehmann
Ihre Kinder sind auf dem Schiff geboren, haben mit Delfinen schwimmen gelernt und nie eine Schule besucht. Seit mehr als 20 Jahren segelt Jill Dickin Schinas mit ihrer Familie um die Welt.

Vinländisches Intermezzo

Text: Zora del Buono   Fotos: Zora del Buono
Vor gut 1000 Jahren ging Leif Eriksson mit 35 Männern auf dem amerikanischen Kontinent an Land. Vieles spricht dafür, dass dies in L’Anse aux Meadows in Neufundland geschah.

Politik

Palast der Proletarier

Text: Viktor Jerofejew   Fotos: Rob Hornstra
Die Heilanstalt „Metallurg“ am Schwarzen Meer war der Stolz der sowjetischen Erholungsindustrie. Zum Wohl der Heimat kamen dort müde Stahlarbeiter wieder zu Kräften. Und heute?

Kombüse

Dona Henriquetas Dorschwunder

Text: Carl D. Goerdeler   Fotos: Nadia Shira Cohen
Für manche ist Kabeljau schlicht eine kulinarische Plage, die freitags die Küchen heimsucht. Ihnen sei ein Restaurant im brasilianischen Niterói ans Herz gelegt. Die Patronin heilt auch schwere Kindertraumata.

Blaues Telefon

Warum heißt es eigentlich „vor Anker liegen“? Wenn ich mit meinem Boot ankere, liegt es immer dahinter. Wie lange können Leichen etwa nach Flugzeugunglücken aus der Tiefsee geborgen werden? Wie nennt man Gewässer in Mündungsgebieten von Flüssen, die sowohl Süß- als auch Salzwasser enthalten?