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Für Flamingos, die eine rosa bis rote Federfarbe zur Stimulierung der Paarung benötigen, birgt eine Zufuhr des Pigmentes von außen einige Risiken, weil dadurch die Farbintensität schwanken kann. Flamingos, auch wenn sie in Florida oder auf Kuba siedeln, haben ihre angestammten Wohngebiete in den härtesten Biotopen der Erde. Der Salzgehalt der seichten großen Seen und Lagunen in Afrika und Südamerika, in denen sie watend ihre Nahrung suchen, ist oft doppelt so hoch wie der von Meerwasser. In solch einem Milieu vermögen nur einige Algenarten und kleine Salinenkrebse zu existieren. Konkurrenzlos wachsen die allerdings zu unerhörten Mengen heran und bilden die Nahrungsgrundlage für die riesigen Ansammlungen der immer geselligen Flamingos an diesen Seen.
Praktisch müssen sich die Vögel nicht um das Futter streiten. Mit herabgesenktem Hals halten sie den Schnabel mit der Oberseite nach unten ins salzige Wasser und filtern Algen und Krebse heraus. Im Inneren des Schnabels befinden sich in Reihen angebrachte hornige Lamellen, die wie die Fischbeinplatten der Bartenwale als Filter fungieren.
Das Filtern geschieht auf zweierlei Weise. Entweder ziehen sie den Kopf vor und zurück, wobei Wasser durch den Schnabel fließt. Oder sie setzen ihre fleischige und kräftige Zunge ein. Mit extrem schnellen Bewegungen schießt sie in der Unterschnabelmulde wie der Kolben einer Pumpe vor und zurück. Dabei wird Wasser durch den Filter gezogen und wieder ausgestoßen. Algen und Krebse bleiben an den behaarten Lamellen hängen, werden mit der stacheligen Zunge abgesammelt und in den Rachen geschoben.
Carotinoide entziehen die Flamingos den Algen sowie den Krebsen. Produziert werden die Farbstoffe aber nur in den Algen. Krebse fressen Blaualgen und reichern dadurch die Farbstoffe in ihrem Körper an - wobei die Biologen den zugrunde liegenden molekularen Mechanismus immer noch nicht genau verstehen. Was auch daran liegt, dass die Wirkstoffe, die die Pigmente in der Zelle konzentrieren bzw. zerstreuen, hochgradig artspezifisch sind. Derselbe Stoff, der bei einem Krebs für die Bindung und Anhäufung von Pigment in der Zelle sorgt, zersetzt sie bei einem anderen Tier und entfärbt es. Bei den Flamingos jedenfalls führen die Farbpigmente zu unterschiedlichen rosa-roten Intensitäten. Man kann spekulieren, ob eine zu intensive Rotfärbung nicht ein Vabanquespiel der Individuen zwischen erhöhter Attraktivität und - wie beim Menschen - beginnender Unfruchtbarkeit ist!
Ihr einziges Küken können Flamingos an den Salzseen nur deshalb großziehen, weil sie es mit Kropfmilch ernähren, die von beiden Geschlechtern produziert wird und der Milch von Säugetieren gleicht. Anders die Scharlachsichler: Diese Ibisse fischen in den Mangrovensümpfen und Brackwasserzonen Kolumbiens und Venezuelas. Die scharlachroten Tiere mit ihren langen, gebogenen Schnäbeln suchen am liebsten in schmutzig-trübem, matschigem Flachwasser stochernd nach Krebsen. Während der Aufzucht allerdings fliegen die Scharlachsichler ins Inland, um im Süßwasser Flusskrebse zu jagen. Denn wie die Brut der Flamingos vertragen auch die Küken der Scharlachsichler die salzige Kost nicht.