Christoph Otto

Christoph Otto
1966 wurde ich in West-Berlin geboren. Eine Stadt, deren Gegensätze und Kriegswunden mich schon als Junge prägen. Mit zehn Jahren belichte ich im Venedig der siebziger Jahre meinen ersten Schwarz-Weiß-Film. Auf der Fähre zum Lido sitzt ein alter Venezianer auf der Reling und schaut auf die Lagune. Das Wasser wirft Reflexe auf sein Gesicht und ich drücke gleich mehrmals auf den Auslöseknopf meiner Kamera. So treffen das erste Mal zwei Welten aufeinander, an deren Schnittmenge bis heute meine Bilder und Geschichten entstehen.
Bald werden aus den Bildern ganze Erzählungen. In Madrid schließe ich 1990 meine spanische Lehrzeit mit dem Diplom für Fotodesign, einem Master für Fotojournalismus und einer weiteren Sprache im Gepäck ab. Ein guter Grundstock, um die Welt  kennenzulernen und vom Leben zu erzählen.
In einer Phase der inneren und äußeren Umbrüche, die der Mauerfall mit sich bringt, führt mich mein Weg zurück ins pulsierende Berlin. Es sind Spanische Magazine, die meine Berliner Fotografien veröffentlichen. Es folgen freie Arbeiten über Moskau vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion, über das Leben auf Kuba sowie erste Auftragsarbeiten für das Zeitmagazin, Merian und Geo.
Da ich schon immer leidenschaftlich gern geschrieben habe, bilde ich mich 1994 an der zur Wendezeit gegründeten Berliner Dependance der Henri-Nannen-Schule fort und beginne neben den Fotoreportagen auch Reportagetexte zu schreiben. Und unten tobt der Rio Negro, meine erste Text- und Fotoreportage über ein Mädchen in Kolumbien gibt mir Recht. Sie wird in mehr als fünfzig Ländern veröffentlicht. Seitdem arbeite ich zwar überwiegend als Fotograf, aber immer öfter bitten mich Magazinredaktionen, mit denen ich seit Jahren zusammenarbeite, auch den Reportagetext zu meinen Fotos zu schreiben.

Eine hässliche Delikatesse

Text: Angelika Stucke   Fotos: Christoph Otto
Aug 2001, No. 27
In spanischen Edel-Restaurants wie dem „Botafumeiro" gehören Percebes zu den begehrtesten Speisen. Für die unansehnlichen Krebse, fälschlicherweise Entenmuscheln genannt, klettern die Fischer todesmutig in die Klippen vor der galicischen Küste hinab.