Dass wir ein Kreuzfahrtschiff rammen sollten, hätte natürlich keiner an Bord gedacht. Aber etwas war merkwürdig an unserem Einsatz, das merkten wir bald nach dem Auslaufen, Kurs Fehmarnbelt. In der ersten Nacht gab der Kommandant Befehl, eine Puppe über Bord zu werfen, abzudrehen, aber den Dummy im Lichtkegel der Scheinwerfer zu halten. Wir übten das rund zwei Dutzend Mal. Wen sollten wir wirklich bergen?
Unser Boot hieß „Najade", 65 Mann Besatzung, achtern ein doppeltes 40-Millimeter-Geschütz, an Bord ein Arsenal aus Torpedos und Wasserbomben, was man eben zur Jagd von U-Booten braucht. Ich war Oberleutnant, ein junger Offizier auf meinem ersten Bordkommando. Auch in der zweiten Nacht fischten wir nach der Puppe. In der Messe kursierten Gerüchte: Sollten wir einen Überläufer retten? Einen Spion? Man muss sich an die Zeit erinnern, 1969, mitten im Kalten Krieg.
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Die See war ruhig in der Nacht auf Ostersonntag, kaum Wind. Aus dem Funksprechgerät krächzten die Positionsmeldungen georteter DDR-Schiffe und russischer Frachter; gegenseitiges Sichten und Verfolgen war Routine. Die „Völkerfreundschaft" steuerte auf uns zu. Gegen 23 Uhr liefen wir neben den Kreuzfahrer, auch unser Schwesterschiff „Triton" war auf Position. Da sahen wir die Taschenlampe in einem Bullauge blinken, etwa 15 Meter über der Wasserlinie. Drei Mal. Wir strahlten das Fenster kurz an. Das Bullauge öffnete sich, und ich konnte durch mein Nachtglas erkennen, wie der Mann versuchte, sich an einer Wäscheleine abzuseilen. Doch die Leine riss!
Er stürzte die Bordwand herunter. Alle Maschinen nun „volle Fahrt voraus", wir drehten hart steuerbord. Es gab wenig Platz zum Manövrieren, und als die „Völkerfreundschaft" plötzlich ebenfalls nach steuerbord drehte, wurde es eng - zu eng. Ungefähr zehn Meter vor dem Heck rammten wir mit knapp 22 Knoten die Seite des Kreuzfahrers. Ein gewaltiges Krachen, die „Najade" legte sich stark zur Seite, alle schrien durcheinander. 30 Sekunden Chaos, dann fragte der Kommandant Schadensmeldungen ab. Unser Bug war verzogen, aber es gab keinen starken Wassereinbruch. Die Maschinen liefen noch. Er gab Befehl, die Scheinwerfer einzuschalten, um nach dem Flüchtling zu suchen.
(Textauszug)
MM42
Donnerstag, 20. Mai 2010 um 16:40
Es ist nicht richtig,dass wir schon drei Tage auf See waren.Wir sind erst einen Tag vorher ausgelaufen.Wo der Verfasser die Torpedos und Wasserbomben gesehen haben will,ist mir ein Rätsel.Sonst ist der Sachverhalt richtig wiedergegeben worden. Ein ehemaliger "Triton" - Fahrer.