Er ist das Synonym für makellose weibliche Haut. Doch über Jahrhunderte war er der Stein der Toten. Sein Ursprung liegt im Meer - Salzstein, Alabaster.
Die Ozeane üben seit je eine starke Anziehungskraft auf den Menschen aus, rätselhaft und allein mit der Ratio oder objektiven Bedürfnissen nicht erklärbar. Vielleicht weiß die Chemie eine Antwort.
Gourmetkritiker lieben nichts mehr, als über die Zutaten der Haute cuisine zu streiten. Und sei es nur das kleinste Körnchen Salz. Recht haben sie, cum grano salis.
In Malis Wüste schlagen Arbeiter wie seit dem Mittelalter das Salz aus der Erde. Kamelkarawanen bringen die einst kostbare Fracht in Städte und Oasen. Aber das Ende der mörderischen Salzgewinnung ist nahe. Die Moderne ist in den Minen von Taoudenni angekommen.
Tief unter der polnischen Kleinstadt Wieliczka hauten Bergleute das Steinsalz eines vergangenen Ozeans - und schufen dabei ein unterirdisches Reich, das heute zum Weltkulturerbe zählt.
Salz machte die Völker mobil: Es hielt Proviant auf Reisen frisch, diente als Zahlungsmittel allerorts. Seine Lagerstätten zogen Schiffe an. Und es brachte Bewegung in die Betten.
Wir sagen Salz und meinen Kochsalz - NaCl, Natriumchlorid. Es verleiht den Ozeanen ihren Geschmack. Aber woher stammt die Würze? Oder muss die Frage nicht andersherum lauten: Was macht unser Trinkwasser süß?
Das kleine Salzmolekül treibt als Motor die mächtigsten Flüsse und größten Wasserfälle des Planeten an. Per Golfstrom schickt es unserem Kontinent die Hitze der Karibik.
Urlauber am Strand des Toten Meeres müssen sich schon ungeschickt anstellen, um zu ertrinken. Doch es lauern andere Gefahren. Aus dem Alltag eines Lebensretters.